Vier Handelstage nach dem Rekord-IPO bekommt SpaceX die ersten echten Bremsspuren zu spüren. Der Kurs gab am Mittwoch rund fünf Prozent auf knapp 192 Dollar nach — und das, obwohl das Unternehmen gleichzeitig eine der größten Tech-Akquisitionen des Jahres ankündigte.
60-Milliarden-Deal für KI-Programmiertool
Nur Tage nach dem Börsengang kündigt SpaceX die Übernahme von Anysphere an, dem Entwickler des KI-Programmierassistenten Cursor. Der Kaufpreis liegt bei rund 60 Milliarden Dollar; der Abschluss der Transaktion ist für das dritte Quartal 2026 geplant. SpaceX hatte sich nach eigenen Angaben bereits im April eine Kaufoption gesichert. Anysphere erzielte zuletzt einen annualisierten Umsatz von rund 2,6 Milliarden Dollar im Geschäftskundenbereich — für ein 2022 gegründetes Unternehmen ein beachtlicher Wert.
Der Deal macht deutlich, wie ernst es SpaceX mit dem KI-Schwenk meint. Cursor gilt als eines der am schnellsten wachsenden Werkzeuge im Bereich KI-gestützter Softwareentwicklung, und SpaceX positioniert sich damit weit über das klassische Raketengeschäft hinaus.
Streubesitz und Fed als Druckfaktoren
Den Kursrücksetzer allein dem Deal anzulasten wäre zu kurz gedacht. Michael Monaghan von der Risikokapitalgesellschaft Founder Funds kommentierte trocken: „Ich halte das bisher nur für Aufregung um nichts.“ Der eigentliche strukturelle Druck kommt aus zwei Richtungen.
Erstens ist der Streubesitz nach wie vor gering — nur ein kleiner Teil der Aktien steht frei für den Handel zur Verfügung. In den kommenden Monaten laufen Insider-Sperrfristen aus, was potenziell zusätzliches Angebot in den Markt bringen kann.
Zweitens belastete die US-Notenbank die Stimmung an den Börsen insgesamt. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh überraschte mit einem hawkishen Dot-Plot: Neun von 18 Notenbankern halten mittlerweile mindestens eine Zinserhöhung in 2026 für angemessen — im März war es noch keiner. Am Terminmarkt schnellte die implizite Wahrscheinlichkeit einer September-Anhebung von rund 25 auf etwa 65 Prozent. Nasdaq und S&P 500 schlossen jeweils rund ein Prozent tiefer.
Bewertung und Index-Perspektive
Trotz des Rücksetzers bleibt die Bilanz seit dem IPO imposant: Der Ausgabepreis lag bei 135 Dollar, der Kurs hatte zwischenzeitlich um gut zwei Drittel darüber gelegen. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 2,5 Billionen Dollar zum Handelsschluss zählt SpaceX weiterhin zu den sechs wertvollsten Unternehmen der Welt.
Ein potenzieller Kurstreiber wartet in den kommenden Wochen: Die Nasdaq hat ihre Aufnahmeregeln für sehr große Unternehmen geändert, eine baldige Index-Inklusion gilt als möglich. Indexfonds, die den Nasdaq nachbilden, müssten SpaceX dann entsprechend gewichten — ein struktureller Kaufimpuls, der die Nachfrage mechanisch erhöhen würde. Der S&P 500 hingegen bleibt vorerst außen vor, da Standard & Poor’s an seinen bestehenden Aufnahmekriterien festhält.
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