Ausgerechnet jetzt legt die CME Group nach: Mitten in der schwersten Kursschwäche seit dem Börsengang startet die Terminbörse handelbare Futures auf SpaceX-Aktien. Für Shortseller, die schon jetzt kaum noch Leihaktien finden, öffnet sich damit ein neuer Kanal für Wetten gegen den Raumfahrtkonzern.
CME öffnet den Handel rund um die Uhr
Am Montag brachte die CME Group bar abgerechnete Einzelaktien-Futures auf 55 US-Werte an den Start. Zusätzlich gibt es Mikro-Kontrakte auf 22 Titel. Gehandelt wird auf der Plattform Globex, von Sonntagabend bis Freitagnachmittag, mit nur einer einstündigen Wartungspause pro Tag.
Neben SpaceX zählen auch Micron, Nvidia, Tesla und Apple zum Angebot. Ein Standardkontrakt bildet 100 Aktien ab, ein Mikrokontrakt 10 Aktien. Die Mindestmarge für ungesicherte Positionen liegt bei 15 Prozent des Nominalwerts. Das entspricht einer maximalen Hebelwirkung von etwa 6,7-fach.
Morgan-Stanley-Analyst Michael Cyprys berichtet, Retail-Broker feiern den Start als größten Wachstumstreiber des Jahres im Privatkundengeschäft. Mehr als 35 Broker-Partner wollen ihre Systeme bereits zum Start bereithalten. Privatanleger haben zudem schon über 500 Millionen Dollar in gehebelte und inverse ETFs auf SpaceX gesteckt.
Aktie nahe Rekordtief
Der Zeitpunkt des Starts ist kein Zufall. SpaceX-Aktien notieren aktuell bei 99,96 Euro und damit nur 4,62 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 95,55 Euro, erreicht am 27. Juli. Allein in den vergangenen 30 Tagen ging es um 30,46 Prozent nach unten.
Ein RSI von 33,3 signalisiert überverkauftes Terrain. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 64,40 Prozent zeigt, wie nervös der Handel seit dem Nasdaq-Debüt geworden ist.
Der Kursrutsch fällt mit dem jüngsten Test von Starship Flug 13 zusammen. Morgan Stanley bestätigte nach dem Flug seine Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 300 Dollar und verwies auf mehrere Erfolge: Alle 33 Raptor-Triebwerke zündeten sauber, die Trennung der Stufen gelang, 20 Starlink-V3-Satelliten wurden ausgesetzt, ein Triebwerk zündete im All erneut. Die Landung des Boosters dürfte dennoch Kritik ernten. Nur etwa fünf von 13 Triebwerken feuerten während des finalen Landemanövers.
Shortseller-Falle ohne Leihaktien
Die neuen Futures treffen auf eine Aktie, die bereits extrem stark leerverkauft wird. Mitte Juli lag fast die Hälfte des frei handelbaren Streubesitzes bei Leerverkäufern. Die Aktienleihe ist inzwischen so knapp geworden, dass klassische Short-Positionen kaum noch aufzubauen sind.
Genau hier setzen die Futures an. Sie erlauben Long- oder Short-Positionen mit bis zu sechsfachem Hebel, ganz ohne Aktien leihen zu müssen. CME-Manager Tim McCourt begründet den Start damit, dass Marktteilnehmer so Kursansichten ausdrücken oder sich gegen Volatilität absichern können, ohne die zugrunde liegenden Aktien direkt zu kaufen.
Zwei Termine entscheiden die nächsten Wochen
Die eigentliche Belastungsprobe für den neuen Terminmarkt steht noch bevor. Am 4. August legt SpaceX seinen ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang vor. Analysten erwarten einen Umsatz von rund 6,9 Milliarden Dollar und einen Verlust je Aktie zwischen 0,22 und 0,28 Dollar.
Am selben Tag läuft eine Lock-up-Frist für Insider aus. Rund 911,6 Millionen Aktien werden dadurch handelbar. Für eine Aktie, die schon jetzt zu den volatilsten Neuzugängen der Wall Street zählt, könnte diese Kombination aus Zahlenvorlage und Aktienflut die bislang härteste Woche seit dem Börsengang werden.
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