Ausgerechnet einen Tag vor dem wichtigsten Testflug der Firmengeschichte rutscht die SpaceX-Aktie auf ein neues Rekordtief. Der Kurs brach am Mittwoch um 6,76 Prozent ein und schloss bei 101,04 Euro – tiefer als je zuvor seit dem Börsengang. Über die vergangene Woche summiert sich der Verlust auf 11,82 Prozent, im Monatsvergleich sind es 26,78 Prozent.
Der Zeitpunkt könnte kaum brisanter sein. Am Donnerstagabend startet SpaceX seinen dreizehnten Starship-Testflug, nachdem zwei vorherige Versuche geplatzt sind.
Starship-Flug 13 nach zwei Fehlstarts
Elon Musk musste den ersten Startversuch am 16. Juli kurz vor dem Abheben abbrechen. Der Grund: Zwei Raptor-Triebwerke mussten ausgetauscht werden, um einen sauberen Flug zu gewährleisten. Ein zweiter Anlauf am 20. Juli scheiterte ebenfalls. Nun soll die Megarakete am Donnerstag von der Starbase in Südtexas abheben, das Startfenster öffnet um 18:45 Uhr Ostküstenzeit.
Erstmals transportiert Starship 20 Satelliten der neuen Starlink-V3-Generation ins All. Sechs davon tragen zusätzliche Kameras, die den Hitzeschild der Rakete überwachen sollen. Die Daten sollen zeigen, ob Starship künftig zum Startplatz zurückkehren kann.
Für SpaceX steht mehr auf dem Spiel als ein einzelner Testflug. Die NASA-Mission Artemis IV hängt von einer funktionierenden Starship-Landefähre ab, ebenso der Ausbau des Starlink-V3-Netzes und das gesamte Versprechen günstigerer Raumfahrt. Die NASA beobachtet insbesondere Fortschritte bei der Zertifizierung des Mondlanders.
Drei Belastungsfaktoren drücken den Kurs
Der Ausverkauf hat nach Einschätzung von Marktbeobachtern drei Ursachen. Erstens das technische Risiko rund um Flug 13. Zweitens das nahende Ende der Lock-up-Frist für Alt-Aktionäre. Drittens eine generelle Deleveraging-Welle in Tech-Aktien, bei der Privatanleger und kurzfristig orientiertes Kapital nervös aussteigen.
Cathie Woods ARK Invest lässt sich davon nicht beeindrucken. Der Vermögensverwalter kaufte weiter zu, als die Aktie erstmals unter ihren Ausgabepreis fiel, und investierte dabei mehr als 36 Millionen Dollar. Das Engagement signalisiert Vertrauen in die langfristige These, auch wenn die kurzfristige Volatilität hoch bleibt.
Chartbild zeigt überverkaufte Aktie
Der Relative-Stärke-Index liegt bei 32,6 – ein Wert, der klassisch auf eine überverkaufte Aktie hindeutet. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 90,88 Prozent zeigt zugleich, wie nervös der Handel seit dem Nasdaq-Debüt verläuft. Vom 52-Wochen-Hoch bei 194,46 Euro, erreicht am 16. Juni 2026, trennen die Aktie inzwischen 48,04 Prozent.
Diese Kombination aus technischem Ausverkauf und fundamentaler Unsicherheit lässt sich schwer trennen. Ein überverkaufter Markt kann sich schnell erholen – er kann aber auch weiter fallen, wenn der Auslöser für die Schwäche bestehen bleibt.
Entscheidung fällt am Donnerstag
Ein reibungsloser Start mit allen 33 Raptor-Triebwerken der Booster-Stufe könnte die Verlustserie beenden. Die Daten der 20 Starlink-V3-Satelliten wären zudem der erste echte Test für die nächste Netzwerk-Generation. Ein sauberer Flug würde die Erzählung von Verwässerung und Lock-up zurück auf operative Stärke lenken.
Die nächsten Wochen bleiben dennoch angespannt. Am 6. August läuft die Lock-up-Frist aus, was zusätzliches Aktienangebot auf den Markt bringen könnte. Bis dahin bleibt der Donnerstagabend der unmittelbarste Test dafür, ob sich der Kurs stabilisiert oder weiter in Richtung neuer Tiefststände rutscht.
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