Kaum im Nasdaq-100 gelandet, schon auf neuem Jahrestief: SpaceX zeigt, wie schnell Index-Euphorie verpuffen kann. Die Aktie schloss am Dienstag bei 119,26 Euro — nur 0,18 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 119,04 Euro vom 14. Juli.
Vom Rekordhoch bei 194,46 Euro aus Mitte Juni hat das Papier damit 38,67 Prozent verloren. Allein in den vergangenen 30 Tagen ging es um 28,17 Prozent nach unten. Der RSI liegt bei 39,9 und signalisiert anhaltenden Verkaufsdruck, die annualisierte Volatilität von 97,75 Prozent zeigt: Ruhe sieht anders aus.
Rekordtempo in den Index, dann der Rückschlag
Dabei lief zuletzt alles nach Plan für SpaceX. Am 7. Juli zog der Raketen- und Satellitenkonzern offiziell in den Nasdaq-100 ein — keinen Monat nach dem Börsendebüt am 12. Juni. Kein Unternehmen war je schneller in den Index gekommen.
Möglich machte das eine Regeländerung der Nasdaq vom 1. Mai. Seither dürfen Mega-Cap-Neulinge unter den Top 40 des Index bereits 15 Handelstage nach ihrem Debüt die Aufnahme beantragen. Vorher galt eine Wartezeit von drei Monaten.
Palantir und Strategy als Warnsignal
Eine Analyse von The Motley Fool vom 14. Juli zieht einen unbequemen Vergleich. Palantir erreichte sein Hoch Ende Dezember 2024 fast zeitgleich mit der eigenen Index-Aufnahme — und verlor in den Wochen danach fast 25 Prozent.
Noch deutlicher der Fall Strategy: Das Unternehmen markierte im November 2024 sein Allzeithoch, nur einen Monat vor dem Nasdaq-100-Beitritt im Dezember. Seither hat die Aktie rund 80 Prozent ihres Höchststands eingebüst.
Die Analyse warnt vor einem ähnlichen Muster bei SpaceX. Zwar sorgen ablaufende Lock-up-Fristen und ein wachsender Streubesitz für einige Pflichtkäufer aus dem Indexgeschäft. Der Verkaufsdruck dürfte die Aktie aber übers kommende Jahr belasten — zumal die Bewertung im Verhältnis zu Umsatz und Gewinn als sehr hoch gilt.
Der schmale Streubesitz begrenzte die Kaufwelle
Schon vor der Index-Aufnahme hatten Beobachter gewarnt: Der Kaufschub durch passive Fonds könnte schwächer ausfallen als erwartet. Grund ist der ungewöhnlich kleine Streubesitz von SpaceX — beim Börsengang wurden nur rund 5 Prozent der Aktien platziert. Fonds halten deshalb kleinere Positionen, als es die Marktkapitalisierung von umgerechnet 1.671 Milliarden Euro vermuten lässt.
CNBC-Journalistin Leslie Picker bezifferte die Dimension des mechanischen Handels: Mehr als 800 Milliarden Dollar an Vermögenswerten folgen direkt dem Nasdaq-100, gut die Hälfte davon über den ETF Invesco QQQ. JPMorgan schätzte die durch die Indexaufnahme ausgelösten Pflichtkäufe auf etwa 4,3 Milliarden Dollar.
Nächster Prüfstein: Erste Zahlen und Lock-up-Ende
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den 6. August. An diesem Tag legt SpaceX als börsennotiertes Unternehmen erstmals Quartalszahlen vor — zeitgleich läuft die erste Lock-up-Frist aus. Rund 20 Prozent der Insider-Aktien werden dann handelbar, weitere 10 Prozent könnten hinzukommen, falls bestimmte an den IPO-Preis geknüpfte Bedingungen erfüllt sind.
Die Research-Firma 22V Research geht noch weiter: Bis Anfang September könnten Insider bis zu 44 Prozent der SpaceX-Aktien verkaufen. Der aktuelle Streubesitz würde sich dadurch um rund 900 Prozent erhöhen — ein Ereignis, das für neue Kursschwankungen sorgen dürfte, sobald der Rückenwind aus dem Indexgeschäft nachlässt.
Mit einem Kurs knapp über dem Jahrestief und schwachen Momentum-Indikatoren rückt die Indexmechanik in den Hintergrund. Entscheidend wird, ob das operative Geschäft aus Starlink, Raketenstarts und den neueren KI-Infrastruktur-Plänen die hohe Bewertung rechtfertigen kann, wenn der passive Kaufdruck ausläuft.
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