SpaceX steckt mitten in einer operativen Verschnaufpause. Die für den 12. September geplante Crew-13-Mission zur Internationalen Raumstation wurde verschoben, nachdem Techniker bei den Startvorbereitungen ein Oxidator-Leck im Antriebssystem der Dragon-Kapsel entdeckt hatten. Einen neuen Termin haben NASA und SpaceX bislang nicht genannt.
Während die bemannte Raumfahrt pausiert, läuft das Starlink-Geschäft ungebremst weiter. Anfang September startete eine Falcon 9 vom Vandenberg Space Force Base in Kalifornien – der 104. Orbitalstart des Unternehmens in diesem Jahr und die 79. Starlink-Mission 2026. Kurz darauf brachte eine weitere Falcon 9 mit ihrer Erststufe, die bereits ihren 35. Flug absolvierte, 27 weitere Starlink-Satelliten ins All.
SpaceX hat inzwischen sämtliche Starlink-Missionen mit der Falcon 9 an die Westküste verlagert, um in Florida Kapazitäten für den Debütflug der Starship-Super-Heavy-Kombination freizumachen. Der 14. Testflug des zweistufigen Starship-Systems, zugleich der dritte Flug der Version 3, wird für Anfang September erwartet.
Aktienentlassung könnte Angebot deutlich vergrößern
Für Anleger dürfte in den kommenden Tagen ein anderes Ereignis stärker ins Gewicht fallen als die Startpause: Am 9. und 10. September werden nach Angaben aus dem Markt fast 370 Millionen SpaceX-Aktien aus Lock-up-Vereinbarungen entlassen. Das könnte den frei handelbaren Anteil um rund 20 Prozent vergrößern – ein potenziell erheblicher Angebotsschub für ein Papier, das zuletzt kräftig zugelegt hat.
Der Kurs schloss am Freitag bei 127,36 Euro, nach einem Tagesminus von 1,1 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,2 Prozent, über 30 Tage sogar ein Anstieg von 36 Prozent zu Buche. Die Aktie notiert damit rund 7,7 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, bleibt aber noch 35 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom 16. Juni entfernt.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 86 Prozent unterstreicht, wie nervös der Titel auf neue Nachrichten reagieren kann – ein Umstand, der die bevorstehende Aktienflut zusätzlich brisant macht.
Geschäftszahlen liefern das fundamentale Fundament
Der jüngste Kursanstieg speist sich nicht zuletzt aus den Anfang August vorgelegten Quartalszahlen. SpaceX erwirtschaftete im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 7,81 Milliarden Dollar, deutlich über den erwarteten 6,93 Milliarden Dollar und ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 4,1 Milliarden Dollar.
Der Nettoverlust verringerte sich auf 541 Millionen Dollar von zuvor rund einer Milliarde Dollar. Gleichzeitig schnellten die Investitionsausgaben auf 18,4 Milliarden Dollar hoch, weit über den von Analysten erwarteten rund 13 Milliarden Dollar.
CFO Bret Johnsen erklärte im Rahmen der Quartalsvorlage, das Unternehmen liege auf Kurs, bis zum Jahresende eine annualisierte wiederkehrende Umsatzrate von 100 Milliarden Dollar zu erreichen. Bereits in den ersten Wochen des laufenden Quartals habe SpaceX zusätzliche Cloud-Service-Umsätze von 6,7 Milliarden Dollar über einen sechsmonatigen Zeitraum ab Oktober vertraglich gesichert.
Vor diesem Hintergrund hatte JPMorgan-Analyst Doug Anmuth Ende August sein Overweight-Rating und ein Kursziel von 240 Dollar bestätigt – eine Einschätzung, die im Zuge der starken Quartalszahlen erfolgte. Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage, ob das fundamentale Wachstumstempo die Verwässerungseffekte der bevorstehenden Aktienfreigabe auffangen kann, während operative Verzögerungen bei Dragon die kurzfristige Nachrichtenlage prägen.
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