Heute Abend nach Handelsschluss legt SpaceX zum ersten Mal Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor. Wall Street ist sich uneins wie selten: Auf der einen Seite ein Kursziel von 255 Dollar, auf der anderen Seite ein Verkaufsrating mit Ziel bei nur 75 Dollar. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich eine Aktie, die seit ihrem Börsengang im Juni bereits die Hälfte ihres Werts verloren hat.
Die Aktie notiert aktuell bei 100,98 Euro und legt am Tag der Zahlen um 1,69 Prozent zu. Das klingt nach Erholung, bleibt aber ein zartes Signal. Erst am Montag markierte das Papier mit 91,04 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Zum Rekordhoch von 194,46 Euro, aufgestellt kurz nach dem Börsendebüt im Juni, fehlen damit weiterhin 48 Prozent.
Zwei Analysten, zwei Welten
Deutsche Bank Research bekräftigte Anfang August ihre Kaufempfehlung mit Kursziel 255 Dollar. Analyst Edison Yu rechnet vor: Allein das Kerngeschäft aus Raketenstarts und dem Satelliteninternet Starlink sei bis zu 1,35 Billionen Dollar wert. Das entspricht fast der kompletten aktuellen Marktkapitalisierung von umgerechnet 1.239 Milliarden Euro.
Die Konsequenz aus dieser Rechnung: Der Markt bewertet SpaceX‘ KI- und Technologiesparte praktisch mit null. Yu hält das für zu hart bestraft und sieht hier ungenutztes Potenzial.
Komplett anders sieht das Glenn Thum von Phillip Securities. Er startet die Coverage mit einem Verkaufsrating und einem Kursziel von 75 Dollar — deutlich unter dem aktuellen Niveau. Thum warnt, Investoren überschätzten das KI-Geschäft massiv. Die Zahlen, die er anführt, sind hart: 3,2 Milliarden Dollar Umsatz aus dem KI-Bereich im Jahr 2025, dem aber ein operativer Verlust von 6,4 Milliarden Dollar gegenüberstand. Bis 2030 erwartet er einen kumulierten negativen Free Cashflow von rund 90 Milliarden Dollar — allein durch den massiven Infrastrukturaufbau.
Technische Erfolge, offene Finanzfragen
Operativ läuft es bei SpaceX derweil rund. Am 24. Juli absolvierte das Starship-System seinen 13. Testflug erfolgreich, brachte 20 Starlink-V3-Satelliten in die Umlaufbahn und lieferte hochauflösende Aufnahmen des Hitzeschilds beim Wiedereintritt. Ingenieurstechnisch ein Erfolg — ob sich das in stabile Finanzergebnisse übersetzen lässt, ist eine andere Frage.
Zusätzlichen Druck bringt der Termin 6. August. Dann läuft eine Lock-up-Frist aus, und frühe Investoren sowie Mitarbeiter können bis zu 911 Millionen Aktien aus der Zeit vor dem Börsengang handeln. Das öffnet die Tür für weitere kurzfristige Kursschwankungen, genau in der Woche der ersten Quartalszahlen.
Was heute Abend zählt
Für das zweite Quartal erwarten Analysten einen Umsatz zwischen 6,7 und 6,9 Milliarden Dollar. Bei der Profitabilität rechnet der Markt mit einem Nettoverlust. Im Fokus stehen vor allem das Wachstum der Starlink-Abonnentenzahlen, die operativen Margen und die Investitionspläne für Starship und die KI-Infrastruktur.
Der heutige Bericht ist der erste echte Test dafür, ob die operativen Fortschritte von SpaceX die hohe Bewertung tatsächlich rechtfertigen können. Bei einer annualisierten Volatilität von fast 58 Prozent dürfte die Reaktion an der Börse entsprechend heftig ausfallen.
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