SpaceX steht nach einem turbulenten Sommer erneut im Zentrum der Anleger-Diskussion. Der Raumfahrt- und Satellitenkonzern hatte im Juni innerhalb weniger Tage rund 600 Milliarden Dollar an Marktwert verloren, nachdem Sorgen über die Finanzierung der ambitionierten Wachstumspläne aufkamen.
Inzwischen hat sich das Bild deutlich gewandelt: Der Kurs hat sich erholt, und das Unternehmen hat seine Finanzierung mit einer aufgestockten Anleihe untermauert.
Anleihe deutlich überzeichnet
SpaceX platzierte eine erste Anleihe, die ursprünglich auf rund 20 Milliarden Dollar ausgelegt war. Die Nachfrage der Investoren übertraf die Erwartungen bei weitem: Die Order lag bei etwa 90 Milliarden Dollar, das Unternehmen stockte das Volumen daraufhin auf 25 Milliarden Dollar auf.
Zusammen mit den Erlösen aus dem Börsengang, der 86 Milliarden Dollar einbrachte, verfügt SpaceX nun über eine Kriegskasse von mehr als 100 Milliarden Dollar. Die Mittel sollen in den Bau von Starship, den Ausbau von Starlink sowie in KI-Beteiligungen wie Cursor fließen.
Diese Kapitalstärke ist auch mit Blick auf das jüngst angekündigte Großprojekt in Louisiana relevant. SpaceX plant dort einen zweiten Weltraumbahnhof namens Starbase Louisiana auf einem rund 125.000 Acres großen Areal in Vermilion Parish. Das Investitionsvolumen wird mit mindestens 100 Milliarden Dollar beziffert.
Der Bau soll 2027 beginnen, der erste Start ist für 2029 vorgesehen. Geplant sind fünf Startkomplexe mit jeweils zwei Startrampen, ausgelegt auf mehr als 30 Starts pro Tag. Louisiana gewährt dem Unternehmen dafür weitreichende Steuervergünstigungen, darunter eine jährliche Zahlung von 25 Millionen Dollar über 25 Jahre sowie eine Sofortzahlung von 20 Millionen Dollar.
Regionale Initiativen wie One Acadiana bereiten bereits die Ausbildung von Arbeitskräften für das Projekt vor, das nach Unternehmensangaben bis zu 3.000 direkte Arbeitsplätze schaffen könnte.
Geschäftszahlen zeigen starkes Wachstum bei hohen Verlusten
Die zugrunde liegenden Geschäftszahlen liefern Argumente für beide Lager der Debatte. Im zweiten Quartal steigerte SpaceX den Umsatz um 92 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar, verbuchte dabei aber einen Nettoverlust von 541 Millionen Dollar.
Der KI-Bereich wuchs um 247 Prozent auf 2,56 Milliarden Dollar, während Starlink mit 4,29 Milliarden Dollar mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes beisteuerte – bei einem operativen Gewinn von 1,66 Milliarden Dollar. Die Kundenbasis von Starlink liegt bei rund 12 Millionen Abonnenten, wobei der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 66 Dollar sank.
Bei den Investitionen fließt der Löwenanteil bereits in den KI-Bereich: Von den Gesamtausgaben von 18,4 Milliarden Dollar im Quartal entfielen 15,8 Milliarden Dollar auf KI-Vorhaben. Analysten sind sich uneins über die Bewertungskonsequenzen.
Morgan Stanley bekräftigte sein Kursziel von 300 Dollar und sieht in dem Rückschlag eine seltene Einstiegschance, während Elon Musk selbst prognostiziert, der Konzernumsatz werde bereits 2033 die Marke von 3,5 Billionen Dollar erreichen – sieben Jahre früher als von Morgan Stanley angenommen. JPMorgan nennt ein Kursziel von 240 Dollar, Morningstar hält mit einem fairen Wert von lediglich 62 Dollar dagegen.
Kursbild spiegelt Unsicherheit
Der deutsche Schlusskurs lag am Donnerstag bei 121,02 Euro, nur leicht über dem 50-Tage-Durchschnitt von 120,09 Euro. Auf Monatssicht steht ein Plus von 23 Prozent zu Buche, was die Erholung seit dem Sommertief unterstreicht.
Die annualisierte Volatilität von 89 Prozent bleibt jedoch hoch und verdeutlicht, dass der Markt die Aktie weiterhin als Wette auf ein sehr langfristiges Wachstumsversprechen behandelt – zwischen den optimistischen Milliarden-Prognosen von Musk und den skeptischeren Einschätzungen einzelner Analysehäuser.
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