Wer im Sommer gegen SpaceX gewettet hat, sitzt aktuell auf einem der lukrativsten Trades des Jahres. Die Aktie des Raketen-, Satelliten- und KI-Konzerns ist am Freitag auf 109,36 Euro gefallen. Das entspricht einem Tagesminus von 4,61 Prozent. Damit liegt der Kurs nur noch 0,59 Prozent über dem frischen 52-Wochen-Tief von 108,72 Euro.
Der Ausverkauf zieht sich seit Wochen hin. Binnen eines Monats hat SpaceX 34,22 Prozent verloren. Was im Juni als spektakulärer Börsengang begann, entwickelt sich zu einer der größten Wetten der Wall Street gegen ein einzelnes Unternehmen.
Leerverkäufer bauen Positionen rasant aus
Die Zahlen zeigen das Ausmaß. Rund 185 Millionen SpaceX-Aktien sind derzeit leerverkauft. Das entspricht etwa 29 Prozent des frei handelbaren Aktienbestands und einem Wettvolumen von rund 25 Milliarden Dollar.
Noch vor drei Wochen lag diese Position bei geschätzten 40 Millionen Aktien, also nur 5 bis 7 Prozent des Streubesitzes. Die Shortseller haben ihre Wetten also binnen kürzester Zeit vervielfacht. Rund die Hälfte des frei handelbaren Bestands ist mittlerweile verliehen, laut dem Datenanbieter Ortex nutzen die meisten Verleiher diese Aktien für Leerverkäufe.
Für die Bären hat sich das bereits ausgezahlt. Ortex beziffert die Buchgewinne der Shortseller seit dem Börsengang auf 8,7 Milliarden Dollar. Sie bauten ihre Positionen konsequent aus, während die Aktie sich dem Ausgabepreis von 135 Dollar näherte und schließlich darunter rutschte.
Über eine Billion Dollar an Wert vernichtet
Der Marktwertverlust ist gewaltig. Seit dem Hoch am 16. Juni hat SpaceX mehr als 1,2 Billionen Dollar an Bewertung eingebüßt. Gegenüber dem Debütpreis von 150 Dollar beträgt der Rückgang fast 250 Milliarden Dollar.
Auch Gründer Elon Musk spürt die Talfahrt direkt. Sein Vermögen, das inzwischen überwiegend aus seinem SpaceX-Anteil besteht, war nach dem Börsengang von rund 700 Milliarden auf bis zu 1,32 Billionen Dollar gestiegen. Laut Bloomberg Billionaires Index ist es mittlerweile auf etwa 850 Milliarden Dollar zurückgefallen.
Die nächste Hürde: auslaufende Haltefristen
Investoren richten den Blick bereits auf die nächste Belastungsprobe. Am zweiten Handelstag nach der ersten Quartalsbilanz dürfen Mitarbeiter und frühe Investoren rund 911,5 Millionen Aktien verkaufen. Analysten erwarten die Zahlen für Anfang August, einen offiziellen Termin hat SpaceX noch nicht genannt.
Diese Aktien sind aktuell etwa 123 Milliarden Dollar wert. Zum Vergleich: Der gesamte öffentlich handelbare Streubesitz beläuft sich derzeit auf schätzungsweise 86 Milliarden Dollar. Die freigegebene Menge würde den bisherigen Markt also deutlich übersteigen.
Das ist erst der Anfang. KeyBanc Capital Markets rechnet damit, dass rund um die zweite Quartalsbilanz etwa 11 Prozent der ausstehenden Aktien handelbar werden. Weitere Tranchen von jeweils rund 4 Prozent sollen ab dem 70. Tag nach dem Börsengang folgen, gekoppelt an Meilensteine und die Zahlen zum dritten Quartal.
Musks eigener Anteil von rund 42 Prozent bleibt davon unberührt. Er ist bis Juni 2027 gesperrt. Bis Anfang Dezember könnten dennoch etwa 40 Prozent aller SpaceX-Aktien frei handelbar sein, während die übrigen 60 Prozent bis Mitte 2027 gebunden bleiben.
Matthew Unterman, Forschungsleiter beim Datenanbieter S3 Partners, bringt die beiden Dynamiken zusammen. „Wir sehen seit dem Börsengang eine kontinuierliche Nachfrage von Leerverkäufern, die spekulative Positionen aufbauen“, sagte er gegenüber CNBC.
Wall Street bleibt trotz Ausverkauf optimistisch
Die Analystenzunft sieht die Lage deutlich positiver als der Markt gerade handelt. 28 Wall-Street-Analysten kommen im Konsens auf ein „Strong Buy“, basierend auf 23 Kauf-, vier Halte- und einer Verkaufsempfehlung aus den vergangenen drei Monaten. Nicht jedes Haus zieht mit: Piper Sandler startete die Coverage mit „Neutral“ und einem Kursziel von 156 Dollar, verwies dabei auf kurzfristigen Gegenwind.
Die Kritiker verweisen auf die Zahlen. Der Börsenprospekt zeigt einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar für 2025 und weitere 4,3 Milliarden Dollar allein im ersten Quartal 2026. Profitabel ist SpaceX damit noch nicht.
Die Geschichte liefert kein beruhigendes Signal. Eine Analyse von Reuters zu 50 prominenten Börsengängen zeigt: Aktien, die in den ersten zwei Monaten unter ihren Ausgabepreis fielen, entwickelten sich anschließend schlechter als vergleichbare IPOs ohne diesen Bruch.
Der RSI von 35,0 signalisiert inzwischen überverkaufte Bedingungen. Bis zur ersten Quartalsbilanz als börsennotiertes Unternehmen und der anschließenden Freigabe hunderter Millionen zusätzlicher Aktien dürfte der Handel in der Aktie turbulent bleiben.
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