SpaceX Aktie: 1 Billion Dollar Verkaufsdruck droht

SpaceX veröffentlicht erstmals Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen. Die Aktie fiel nahe ans 52-Wochen-Tief, während der Lock-up-Ablauf zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt.

Auf einen Blick:
  • Aktie fällt nahe ans Jahrestief
  • Lock-up-Ablauf erhöht Verkaufsdruck
  • Starlink verzeichnet starkes Abonnentenwachstum
  • KI-Geschäft bleibt defizitär

SpaceX steht vor den ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang im Juni – und die Aktie taumelt. Am Freitag schloss das Papier bei 93,96 Euro, ein Minus von 3,48 Prozent auf Tagessicht. Binnen 30 Tagen hat sich der Kurs um 32,10 Prozent verringert. Damit notiert SpaceX nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 93,41 Euro, das am 31. Juli erreicht wurde. Die Marktkapitalisierung beziffert sich derzeit auf umgerechnet 1.281,26 Milliarden Euro.

Erste Earnings Call rückt näher

Reuters berichtete am Samstag, dass die anstehende Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen die erste ihrer Art seit dem Börsengang ist. Analysten wollten dort eigentlich über KI-Investitionen und die Profitabilität des Starlink-Geschäfts sprechen. Doch auf der Online-Plattform, über die Aktionäre Fragen einreichen konnten, dominierten andere Themen: Nutzer fragten nach der Entwicklung des Mondlande-Systems Starship HLS für das NASA-Programm Artemis, nach der Idee, eine Rakete pink zu bemalen, und nach einem Shiba-Inu-Maskottchen namens „Asteroid“. Die Frage nach der Profitabilität des KI-Geschäfts landete laut Reuters nur auf Rang 183 der Beliebtheitsskala, ein möglicher Zusammenschluss mit Tesla fand praktisch kein Interesse. Rund 30 Prozent der Aktien aus dem Börsengang waren an Privatanleger vergeben worden – ein für große US-Börsengänge ungewöhnlich hoher Anteil, der die Struktur der Fragen erklären dürfte.

Die Kursschwäche der vergangenen Wochen spiegelt sich auch im technischen Bild wider: Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 31,0 und signalisiert eine überverkaufte Marktlage. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 54,45 Prozent zeigt, wie nervös der Handel mit der noch jungen Aktie verläuft.

Lock-up-Ablauf erhöht den Druck

Der Zeitpunkt der Zahlen fällt mit einem weiteren Belastungsfaktor zusammen: Ab Donnerstag können frühe SpaceX-Investoren im Rahmen des auslaufenden 180-Tage-Lock-ups erstmals Aktien im Wert von bis zu einer Billion US-Dollar verkaufen, berichtete die Daily Mail. Das Unternehmen war demnach vor einem Jahr noch mit 400 Milliarden Dollar bewertet worden, zuletzt kletterte die private Bewertung auf 1,5 Billionen Dollar. Im zurückliegenden Quartal habe SpaceX bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden Dollar einen Verlust von 4,3 Milliarden Dollar verbucht, so der Bericht weiter. Auch das persönliche Vermögen von Firmengründer Elon Musk hat unter dem Kursrutsch gelitten: Laut Benzinga fiel es von einem Höchststand von 1,33 Billionen auf 684 Milliarden Dollar.

Bei den Analysten geht die Einschätzung der Aktie weit auseinander. Morgan Stanley-Analyst Adam Jonas sieht laut Daily Mail ein Kursziel von 300 Dollar, deutlich über dem aktuellen US-Handelsniveau. Ein Analyst von Raymond James geht laut einem Bericht sogar von einer möglichen Verachtfachung des Kurses aus und nennt ein Kursziel von 800 Dollar. Der Konsens von elf Analysten liegt bei rund 236,71 Dollar, bei einer Verteilung von sieben Kauf-, drei Halte- und einer Verkaufsempfehlung – die Bandbreite der Einschätzungen zeigt, wie unsicher die Bewertung des Unternehmens derzeit ausfällt.

Starlink wächst, KI-Geschäft schreibt hohe Verluste

Inhaltlich dürfte das Starlink-Geschäft im Mittelpunkt der Zahlenvorlage stehen. Die Satelliteninternet-Sparte kam im ersten Quartal 2026 auf 10,3 Millionen Abonnenten, ein Plus von 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Jahresumsatz von 11,3 Milliarden Dollar für 2025. Allerdings sank der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer von 86 auf 66 Dollar im Monat, während die Produktionskosten für die Terminals seit 2022 um 59 Prozent gefallen sind. Das KI-Geschäft, für das SpaceX orbitale Rechenzentren mit bis zu einer Million Satelliten plant, bleibt dagegen defizitär und ist stark von kurzfristig kündbaren Verträgen etwa mit Anthropic abhängig.

Für Anleger bündeln sich damit gleich mehrere Risikofaktoren: eine Aktie nahe dem Jahrestief, ein bevorstehender Lock-up-Ablauf mit potenziell hohem Verkaufsdruck und eine erste Zahlenvorlage, bei der die öffentliche Aufmerksamkeit offenbar eher auf Raketenfarben als auf Bilanzkennzahlen liegt.

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