Wenige Tage vor der ersten Quartalsvorlage als börsennotiertes Unternehmen steht SpaceX unter Druck. Die Aktie hat seit dem Höchststand vom 16. Juni einen Marktwert von mehr als einer Billion US-Dollar eingebüßt, nachdem sie beim Börsengang Mitte Juni bei 135 US-Dollar gestartet war, dabei 85,7 Milliarden US-Dollar einsammelte und kurz darauf auf 225,64 US-Dollar kletterte. Zuletzt notierte das Papier im US-Handel nur noch bei rund 110 bis 116 US-Dollar – ein Rückgang von annähernd der Hälfte.
Kursrutsch vor entscheidender Woche
Im deutschen Handel kostet die Aktie aktuell 101,68 Euro, ein Minus von 0,59 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 29,26 Prozent zu Buche, während das Papier nur noch 8,00 Prozent über seinem jüngsten 52-Wochen-Tief notiert. Die Nervosität hat einen konkreten Auslöser: Am 4. August legt SpaceX zum ersten Mal seit dem Börsengang Quartalszahlen vor, zwei Tage später laufen Verkaufssperren für 911,5 Millionen Aktien aus Insiderbesitz aus. Der Optionsmarkt preist für den Berichtstag einen Kursausschlag von rund 15 Prozent ein, die implizite Volatilität liegt bei 122 – einem der höchsten Werte im S&P 500.
Shortseller wetten Milliarden gegen die Aktie
Die Marktverwerfung hat eine ganze Branche angezogen: Leerverkäufer halten laut S3 Partners inzwischen Wetten im Volumen von 26 Milliarden US-Dollar gegen SpaceX, das entspricht 35 Prozent des frei handelbaren Aktienbestands. Seit dem Börsengang im Juni haben die Shortseller nach dieser Erhebung bereits rund 7,3 Milliarden US-Dollar Gewinn realisiert – nach Tesla die zweitprofitabelste Short-Position des Jahres. Elon Musk hat Leerverkäufer öffentlich gewarnt, was die Stimmung bislang nicht beruhigt hat. Parallel dazu reagiert die Wall Street mit strukturierten Produkten: Mehrere Banken, darunter Morgan Stanley, Marex Group, Citigroup, Wells Fargo und RBC, bereiten Zertifikate mit Kapitalschutz von bis zu 50 Prozent vor, die im Gegenzug die Kursgewinne der Anleger deckeln – ein Signal dafür, wie stark die Unsicherheit rund um das Papier inzwischen eingepreist wird.
Analysten zwischen Euphorie und Warnung
Trotz des Kursverfalls bleibt die Mehrheit der Analysten optimistisch: 27 von 28 beziehungsweise nach anderer Zählung 23 von 31 Bewertungen lauten auf Kaufen, das Kursziel im Konsens liegt bei rund 239,04 US-Dollar, der Zielkorridor reicht von 115 bis 800 US-Dollar. Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas bestätigte seine Overweight-Einstufung mit einem Kursziel von 300 US-Dollar und verweist auf erwartete Fortschritte im KI-Geschäft, etwa eine Rechenkapazität von mehr als zwei Gigawatt im kommenden Jahr. Zugleich warnt Jonas: Fällt die Aktie unter 100 US-Dollar, würde der Markt dem KI-Geschäft rund um die für 60 Milliarden US-Dollar übernommene Firma Cursor sowie das Produkt Grok praktisch keinen Wert mehr zumessen. Gegenläufig positioniert sich Morningstar mit einem Verkaufsrating und einem Kursziel von 63 US-Dollar, während Raymond James mit 800 US-Dollar das obere Ende der Erwartungen markiert. Fernsehmoderator Jim Cramer äußerte sich langfristig bullish, riet Anlegern aber, vor dem Auslaufen der Lockup-Frist am 6. August keine großen Positionen aufzubauen, weil KI-Rechenleistungsverträge mit Anthropic und Alphabet mit 90 Tagen Vorlauf kündbar seien. Investor Gary Black rechnet mit einem Abrutschen unter 100 US-Dollar, während Ross Gerber die Schwäche als Kaufgelegenheit einstuft und Cathie Wood ihre Position ausgebaut haben soll.
Starship-Erfolg als Kontrapunkt
Operativ lieferte SpaceX zuletzt eine positive Nachricht: Beim Testflug 13 am 24. Juli gelang der Oberstufe von Starship erstmals eine intakte, weiche Wasserung im Indischen Ozean, nachdem zuvor 20 Starlink-Satelliten der neuesten Generation ausgesetzt worden waren. Das Fahrzeug blieb tagelang schwimmfähig und funkte weiter Telemetriedaten, Musk kündigte ein Bergungsschiff an. Die Super-Heavy-Erststufe schlug dagegen hart im Golf von Mexiko auf. Geschäftlich zeigt sich ein gemischtes Bild: Das Verbindungsgeschäft rund um Starlink war im ersten Quartal mit 1,19 Milliarden US-Dollar profitabel, während die KI-Sparte einen Verlust von 2,47 Milliarden US-Dollar auswies. Das Umsatzwachstum verlangsamte sich im ersten Quartal 2026 auf 15 Prozent, für 2025 stand unter dem Strich ein Nettoverlust von 4,9 Milliarden US-Dollar bei 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz. Ob die Zahlen vom 4. August und das anschließende Ende der Verkaufssperre den Ausschlag für eine Stabilisierung oder eine weitere Verkaufswelle geben, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.
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