Die Aktie von SpaceX steht erneut im Fokus: Am Donnerstag werden 319 Millionen Aktien aus der Sperrfrist entlassen – der nächste in einer ganzen Serie von Unlocks, die den Kurs seit Wochen belasten. Zum gestrigen Handelsschluss notierte das Papier bei 124,22 Euro, ein Minus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 18 Prozent zu Buche, vom 52-Wochen-Hoch aus dem Juni trennen die Aktie jedoch 36 Prozent.
Der bevorstehende Unlock ist längst nicht der letzte. Nach einer ersten Freigabe von 912 Millionen Aktien am 6. August sollen im September mehr als 700 Millionen und im Oktober über 650 Millionen weitere Aktien handelbar werden.
Bis Jahresende kommen laut Berechnungen von Marktbeobachtern insgesamt rund 4,9 Milliarden Aktien auf den Markt. Nach dem Unlock vom 6. August war der Kurs zunächst um rund 35 Prozent gestiegen, bevor die Furcht vor weiterem Angebotsdruck neue Verkäufe auslöste.
Analysten bleiben trotz Volatilität optimistisch
Trotz der Kursschwankungen sehen große Häuser weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial. Bernstein-Analyst Doug Harned hob sein Kursziel am Dienstag auf 248 Dollar an und begründet dies mit einer möglichen Umsatzchance von 600 Milliarden Dollar bis 2031 durch orbitale Rechenzentren.
Der durchschnittliche Kursziel-Konsens von 31 Analysten liegt bei 232,35 Dollar, was einem Aufschlag von über 60 Prozent zum jüngsten Kursniveau entspräche. UBS taxiert das Ziel auf 210 Dollar, Morgan Stanley auf 300 Dollar.
Kritischer äußert sich der ehemalige Fidelity-Manager George Noble: Er bezeichnet SpaceX als einen der besten Short-Kandidaten am Markt und beziffert den fairen Wert auf lediglich 30 Dollar – ein Bewertungsabschlag von rund 79 Prozent gegenüber dem damaligen Kursniveau. Er verweist auf das 90- bis 140-fache des Umsatzes als Bewertungsmaßstab sowie auf die Tatsache, dass nach dem Börsengang zunächst weniger als 5 Prozent der Aktien frei handelbar waren – ein Umstand, der die Kursbildung nach oben wie unten verzerrt.
Geschäftszahlen und operative Entwicklung
Operativ zeigt sich SpaceX auf Wachstumskurs. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 91,9 Prozent auf 7,81 Milliarden Dollar, während der Verlust je Aktie mit minus 0,09 Dollar deutlich besser ausfiel als der Konsens von minus 0,26 Dollar.
Getragen wird das Wachstum maßgeblich von Starlink, das inzwischen rund 12 Millionen Abonnenten zählt und ein operatives Einkommen von 1,66 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Gleichzeitig bleiben die Investitionsausgaben hoch: Das Capex-Volumen von 18,4 Milliarden Dollar übertraf die Erwartungen von 13 Milliarden Dollar deutlich.
Zusätzliche Fantasie liefert die kürzlich abgeschlossene Übernahme der KI-Firma Cursor für 60 Milliarden Dollar, die in xAI integriert werden soll. Deutsche-Bank-Analyst Edison Yu sieht darin Vorteile für Monetarisierung und vertikale Integration.
Auch institutionelle Investoren bleiben engagiert: Neben Alphabet, das über eine 7,2-Prozent-Beteiligung im Wert von rund 94 Milliarden Dollar verfügt, hält auch Nvidia einen Anteil von etwa 21 Milliarden Dollar.
Unlock als kurzfristiger Belastungsfaktor
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Fundamentales Wachstum und ambitionierte Kursziele stehen einer strukturell hohen Volatilität von 92 Prozent auf 30-Tage-Sicht gegenüber. Der RSI von 55,7 signalisiert derzeit keine extreme Überkauft- oder Überverkauft-Situation, doch die Serie der Aktien-Unlocks dürfte den Kurs in den kommenden Wochen weiter unter Schwankungsdruck halten.
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