Ein einziger Freitagvormittag zeigt, wie breit das Geschäftsmodell von S&P Global aufgestellt ist. Während die eigenen Konjunkturumfragen aus Berlin über Madrid bis Peking neue Zahlen liefern, hebt die Ratingsparte des Konzerns zeitgleich die Bonitätsnote eines deutschen Immobilienkonzerns an. Zwei Geschäftsfelder, ein Tag — und beide liefern Stoff für die Marktbeobachtung.
PMI-Daten zeichnen ein gespaltenes Weltbild
Die Einkaufsmanagerindizes, die S&P Global Market Intelligence monatlich erhebt, zeigen für Juni ein uneinheitliches Bild der Weltwirtschaft. In Deutschland schwächte sich die Schrumpfung im Servicesektor ab: Der Index kletterte von 48,1 auf 48,6 Punkte und bleibt damit unter der Wachstumsschwelle von 50. Für die gesamte Eurozone stabilisierte sich die Lage sogar — der Composite-Index erreichte mit 50,0 Punkten erstmals seit März wieder die Nulllinie.
Spanien lieferte die positive Überraschung des Tages. Der Servicesektor dort sprang von 50,1 auf 54,2 Punkte, den höchsten Wert des laufenden Jahres. Am anderen Ende der Skala steht Russland: Die dortige Dienstleistungsbranche verzeichnete den schnellsten Auftragsrückgang seit Dezember 2022, während China mit einem Indexstand von 54,1 Punkten weiter robust wächst, wenn auch leicht schwächer als im Mai.
Diese Datenvielfalt ist kein Zufall, sondern das Kerngeschäft: S&P Global verkauft solche Konjunkturindikatoren an Institutionen, Notenbanken und Investmenthäuser weltweit. Der eingetrübte Inflationsdruck in der Eurozone — dort fiel die Teuerung im Servicesektor so stark wie seit Beginn der Erhebung 1998 nicht mehr, von den Corona-Monaten abgesehen — dürfte zudem die Diskussion um weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank prägen.
Ratingsparte stuft TAG Immobilien hoch
Parallel zu den Konjunkturdaten hat S&P Global Ratings das langfristige Rating der TAG Immobilien AG von „BBB-“ auf „BBB“ angehoben, mit stabilem Ausblick. Das kurzfristige Rating stieg von „A-3“ auf „A-2“. Bereits im Mai hatte Moody’s die TAG-Bonität auf „Baa2“ hochgestuft — die aktuelle S&P-Entscheidung reiht sich also in eine bereits laufende Aufwertung ein.
Als Begründung nannte die Ratingagentur die gestärkte Kapitalstruktur nach dem Börsengang der polnischen TAG-Tochter ROBYG, der dem Konzern einen Bruttomittelzufluss von rund 295 Millionen Euro einbrachte. Solche Einzelfall-Entscheidungen sind für S&P Global selbst finanziell relevant: Ratingsgebühren zählen neben dem Datengeschäft zu den wichtigsten Erlösquellen des Konzerns.
Die Kombination aus globaler Konjunkturbeobachtung und aktivem Ratingsgeschäft verdeutlicht, wie S&P Global von zwei unabhängigen Einnahmequellen profitiert — unabhängig davon, ob die Weltwirtschaft gerade wächst oder schrumpft.
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