Neue Allzeithochs an der Wall Street — getrieben von Geopolitik, nicht von Fundamentaldaten. US-amerikanische und iranische Unterhändler sollen sich auf eine Absichtserklärung zur Verlängerung des Waffenstillstands geeinigt haben. Der S&P 500 kletterte daraufhin um rund 0,3 Prozent auf etwa 7.546 Punkte, der Nasdaq 100 legte etwas stärker zu.
Der Haken: Keine Seite hat das Dokument tatsächlich unterzeichnet. Die Rally basiert damit auf einem nicht bestätigten Bericht — ein fragiles Fundament für frische Rekordstände.
Dow Jones hängt hinterher
Während S&P 500 und Nasdaq neue Höchststände markierten, blieb der Dow Jones leicht im Minus. Der US-Leitindex notierte bei rund 50.620 Punkten, belastet unter anderem durch die Schwäche einzelner Industriewerte. Das Auseinanderdriften der Indizes zeigt, wo die Märkte derzeit ihren Fokus haben: auf Technologie und KI.
Microsoft gehörte zu den stärksten Einzelwerten im Dow und legte gut drei Prozent zu. Im Hintergrund läuft die KI-Story weiter — befeuert durch Quartalszahlen von Snowflake und Salesforce. Snowflake schnellte um rund ein Drittel nach oben, nachdem die Zahlen die Erwartungen übertrafen. Salesforce blieb dagegen verhalten.
Retail-Rückkehr als nächster Treiber
Neben der Geopolitik könnte ein weiterer Faktor den Markt in den kommenden Wochen bewegen: JPMorgan beobachtet eine zunehmende Rückkehr von Privatanlegern an die US-Börsen. Steigende Aktivität im Optionshandel signalisiert wachsende Risikobereitschaft — ein Muster, das in vergangenen Rally-Phasen oft als Beschleuniger wirkte.
Ob die nächste Impulswelle tatsächlich von Retail-Investoren kommt, hängt wesentlich davon ab, ob die geopolitische Entspannung anhält. Ein Scheitern der Iran-Waffenstillstandsgespräche würde nicht nur Öl- und Anleiherenditen bewegen, sondern die aktuelle Rekordrally auf eine harte Probe stellen. Bis dahin trägt der Markt das Gewicht einer Absichtserklärung, die noch niemand unterschrieben hat.
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