SolarEdge sucht sich ein neues Wachstumsfeld jenseits der Solarbranche: Das Unternehmen entwickelt Festkörpertransformatoren (Solid-State-Transformatoren) für Rechenzentren. Nach Unternehmensangaben soll ab 2027 eine Pilotphase starten, die Serienfertigung in größerem Volumen ist für 2028 geplant. Der Vorstoß in ein Segment, das vom Boom der KI-Rechenzentren getrieben wird, fällt in eine Phase, in der der Solarwechselrichter-Spezialist an anderer Stelle mit deutlich zurückhaltenderen Wachstumsaussichten kämpft.
Europa zieht deutlich an, USA schwächeln
Im operativen Geschäft zeigte sich zuletzt vor allem eine geografische Verschiebung: Der Umsatz in Europa legte binnen eines Quartals um 36 Prozent zu, während das US-Geschäft um 2 Prozent zurückging. Allein die Nexis-Verschiffungen nach Europa summierten sich auf mehr als 60 Millionen Dollar. Diese europäische Nachfragedynamik war laut Unternehmen der zentrale Treiber dafür, dass SolarEdge vor gut einer Woche erstmals seit dem zweiten Quartal 2023 wieder ein positives Non-GAAP-Betriebsergebnis auswies – 10,2 Millionen Dollar bei einem Nettogewinn von 3,6 Millionen Dollar und einem freien Cashflow von 3,1 Millionen Dollar. Die GAAP-Bruttomarge kletterte auf 27,5 Prozent, nach 22 Prozent im Vorquartal und lediglich 11,1 Prozent im Vorjahresquartal.
Die Rückkehr in die Gewinnzone markiert für ein Unternehmen, das lange mit Überkapazitäten und schwacher Nachfrage zu kämpfen hatte, einen wichtigen Wendepunkt. Genau in diesem Umfeld soll die neue Rechenzentrums-Sparte künftig als zusätzliches Standbein dienen und die Abhängigkeit vom zyklischen Solargeschäft verringern.
Skepsis der Analysten belastet die Bewertung
Trotz der operativen Fortschritte bleibt die Stimmung am Markt angespannt. Die von SolarEdge für das laufende Quartal ausgegebene Umsatzprognose von 310 bis 340 Millionen Dollar liegt spürbar unter der von Analysten erwarteten Spanne von 368 bis 372 Millionen Dollar – ein Umstand, der vor gut einer Woche für erheblichen Verkaufsdruck sorgte. Mehrere Häuser reagierten mit gesenkten Kurszielen: Goldman Sachs stufte die Aktie auf Verkaufen zurück und senkte das Ziel auf 30 Dollar, während Barclays, Susquehanna und RBC ihre Ziele ebenfalls kappten, die Einstufung Neutral aber beibehielten. Im Durchschnitt liegt das Kursziel der Analysten aktuell bei 36,20 Dollar, das Konsensrating bei „Reduce“.
Die Kursreaktion der vergangenen Woche spiegelt diese Skepsis deutlich: Binnen sieben Handelstagen verlor die Aktie 20,42 Prozent. Aktuell notiert das Papier bei 28,45 Euro und damit weiterhin 58,83 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 69,10 Euro, das Ende Mai markiert wurde. Zur Wochenmitte zeigte sich zumindest eine leichte Stabilisierung, ohne dass sich daraus bereits eine Trendwende ableiten lässt.
Strategischer Umbau als Wette auf die Zukunft
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Kurzfristig belasten die schwache Umsatzprognose und die Skepsis der Wall Street den Kurs, während das Unternehmen mittelfristig mit der Rückkehr zur Profitabilität und dem starken Europageschäft erste Erfolge seiner Restrukturierung vorweisen kann. Der Einstieg in Stromtechnik für Rechenzentren ist dabei eine Wette auf ein Marktsegment, das aktuell zu den am schnellsten wachsenden der gesamten Energiebranche zählt. Ob SolarEdge dort tatsächlich rechtzeitig zur Pilotphase 2027 und zur Volumenproduktion 2028 eine relevante Position aufbauen kann, dürfte über die kommenden Jahre entscheidend für die Neubewertung des Unternehmens am Kapitalmarkt sein.
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