Der israelische Wechselrichterspezialist SolarEdge steht im Fokus gegensätzlicher Analystenbewertungen, während das Unternehmen versucht, die Talsohle im schwierigen Marktumfeld für Photovoltaik-Komponenten zu durchschreiten.
Gestern senkte das Analysehaus Jefferies das Kursziel für die Aktie deutlich von 45 auf 31 US-Dollar und behielt die Einstufung auf „Hold“ bei. Die Experten erwarten zwar, dass das laufende Jahr 2026 den Tiefpunkt der Geschäftsentwicklung markieren wird, blicken jedoch skeptisch auf die kommenden zwei Jahre.
Laut Jefferies könnten Umsatz und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in den Jahren 2027 und 2028 hinter den Erwartungen des Marktes zurückbleiben, da die Schwäche im privaten Wohnungsbau anhält und sich die Margen langsamer als erhofft erholen dürften.
UBS setzt auf Marktanteilsgewinne durch regulatorischen Rückenwind
Ein optimistischeres Bild zeichnete am vergangenen Mittwoch die Großbank UBS. Sie stufte SolarEdge von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel auf 42 US-Dollar an. Als zentralen Grund nannten die Analysten regulatorische Eingriffe der US-Behörde FCC. Ein Importverbot für neue ausländische Wechselrichtermodelle betrifft Schätzungen zufolge etwa 50 Prozent des US-Binnenmarktes.
Dieser Angebotsschock könnte SolarEdge in die Lage versetzen, signifikante Marktanteile zurückzugewinnen und die eigene Preismacht zu stärken. Während der breite Markt für Solaranlagen für Wohngebäude in den USA weiterhin unter Unsicherheiten leidet, könnte SolarEdge durch die Verknappung bei Wettbewerbern eine Sonderkonjunktur im US-Geschäft erleben. Im heutigen Handel notiert das Papier bei 27,40 Euro, womit die Aktie einen Abstand von rund 15 Prozent zu ihrem 52-Wochen-Tief bei 23,77 Euro hält.
Operative Trendwende trifft auf vorsichtige Prognosen
Die jüngsten Geschäftszahlen unterstreichen die fragile Erholung des Unternehmens. Im zweiten Quartal 2026, dessen Ergebnisse vor gut drei Wochen veröffentlicht wurden, erzielte SolarEdge einen Umsatz von 346,2 Millionen US-Dollar. Dies entsprach einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Besonders hervorzuheben war das Erreichen der operativen Profitabilität auf Non-GAAP-Basis mit einem Betriebsergebnis von 10,2 Millionen US-Dollar – das erste positive Quartal in dieser Kennzahl seit zwei Jahren.
Dennoch belastet der kurzfristige Ausblick die Stimmung der Anleger. Für das laufende dritte Quartal gab das Management eine Umsatzprognose zwischen 310 und 340 Millionen US-Dollar ab, was deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen der Analysten lag.
Das Unternehmen begründete dies mit saisonalen Rückgängen in Europa und der anhaltenden Schwäche auf dem US-Markt für Eigenheime. Innerhalb der letzten 30 Tage verzeichnete die Aktie vor diesem Hintergrund einen Rückgang von 24 Prozent.
Strategische Neuausrichtung unter neuer Finanzleitung
SolarEdge treibt parallel dazu den Umbau seiner Führung und seiner Produktionskapazitäten voran. Seit Ende Mai fungiert Maoz Sigron als Finanzvorstand des Unternehmens. Unter seiner Leitung fokussiert sich SolarEdge bei den geplanten Investitionen von 60 bis 80 Millionen US-Dollar für das Gesamtjahr 2026 vor allem auf den Ausbau der US-Kapazitäten für Photovoltaik und Batterien sowie auf die Forschung im Bereich KI-gestützter Fertigung.
Trotz der aktuellen Herausforderungen meldete das Unternehmen Erfolge im europäischen Geschäft, wo der Umsatz im Quartalsvergleich um 36 Prozent zulegte. Besonders in der DACH-Region und den Niederlanden konnte SolarEdge durch Nachrüstungen und den Absatz von Speichersystemen punkten.
Ob diese Zuwächse die Schwächephasen in anderen Regionen dauerhaft kompensieren können, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die von UBS prognostizierten Effekte der US-Handelsbeschränkungen operativ wirksam werden.
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