SoftBank Group erlebt eine außergewöhnliche Woche. Der japanische Technologiekonzern notierte an der Tokioter Börse auf einem neuen Allzeithoch. In nur zwei Wochen stieg der Marktwert um mehr als 60 Milliarden Dollar.
Der Kurs schnellte am Donnerstag um fast 20 Prozent nach oben, am Freitag um weitere 12 Prozent. Es war der größte Zweitagesanstieg eines globalen Schwergewichts seit langem. Die treibende Kraft: die Aussicht auf den Börsengang von OpenAI – der größten Einzelbeteiligung von SoftBank-Gründer Masayoshi Son.
Zwei IPOs konkret
Parallel zur OpenAI-Spekulation schuf SoftBank handfeste Fakten. Das Unternehmen engagierte Investmentbanken für zwei US-Börsengänge. SB Energy, der Entwickler für Energie und Rechenzentren, soll bereits im September an die Börse. Die angestrebte Bewertung: über 50 Milliarden Dollar. Federführend sind JPMorgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citi und Mizuho.
Ebenfalls in Vorbereitung: der Börsengang von Roze, einer Ausgründung für autonome Robotik. Roze will den Bau von KI-Rechenzentren effizienter machen. Hier arbeiten Goldman Sachs, JPMorgan, Mizuho und Morgan Stanley. Finanzkreise hatten zuvor von einer Bewertung von rund 100 Milliarden Dollar gesprochen.
SB Energy ist zudem Partner der US-Regierungsinitiative Stargate. Das Unternehmen baut in Texas einen 1,2-Gigawatt-Rechenzentrums-Campus, versorgt mit Solar- und Batteriespeichern.
KI-Allianz im eigenen Land
Zeitgleich formiert sich in Japan eine breite KI-Allianz unter SoftBanks Führung. Rund 30 Unternehmen erwägen eine Beteiligung an der „Japan AI Foundation Model Development“. Zu den Interessenten zählen Asahi Kasei, Yaskawa Electric, Fujitsu sowie große Transport- und Schwerindustriefirmen. Zehn Unternehmen wollen ihre Investitionen im Juni finalisieren.
Kernmitglieder mit mehr als zehn Prozent Anteil sind SoftBank, NEC, Honda und Sony. Drei Megabanken wie MUFG sowie Nippon Steel und Kobe Steel beteiligen sich mit kleineren Anteilen. Ziel ist die Entwicklung „Physical AI“: Systeme, die Fertigungsdaten nutzen, um Roboter und Anlagen autonom zu steuern.
Die Ankündigung der Allianz ließ die Aktie am Tag der Meldung um etwa zwei Prozent nachgeben. Marktbeobachter verwiesen auf die Herausforderung, ein einheitliches KI-Modell für so viele Branchen zu entwickeln.
Die Treiber Arm und OpenAI
SoftBank fungiert an der Börse als der einzige börsennotierte Proxy für zwei KI-Schwergewichte: den Chipdesigner Arm (Mehrheitsbeteiligung) und OpenAI. Der Nettoinventarwert stieg im vierten Quartal um 30 Prozent. Grund war der Kursanstieg von Arm um 32 Prozent – Arm macht nun 40 Prozent des SoftBank-Vermögens aus.
Insgesamt verbuchte SoftBank im Geschäftsjahr 2025 kumulierte Investitionsgewinne von rund 45,7 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn lag bei 31,4 Milliarden Dollar – der höchste Gewinn, den je ein japanisches Unternehmen erzielte.
Im Februar kündigte SoftBank eine weitere Investition von 30 Milliarden Dollar in OpenAI an. Die Papiere sind so strukturiert, dass sie bei einem Börsengang in Stammaktien wandeln.
Analysten zwischen Euphorie und Vorsicht
Acht Analysten raten zu „Strong Buy“, drei zu „Hold“, einer zu „Strong Sell“. Das Durchschnittskursziel liegt knapp unter dem aktuellen Rekordniveau.
Einige Analysten warnen vor dem typischen Holdings-Abschlag: Aktionäre profitieren nicht voll vom Wert der Beteiligungen. Auch die Privatbewertung von OpenAI bleibt umstritten. Berichte über verfehlte interne Umsatzziele haben die Rallye nicht gestoppt, sind aber nicht vom Tisch.
Die nächsten Quartalszahlen erscheinen am 11. August 2026. Dann zeigt sich, ob der IPO-Fahrplan für SB Energy und Roze eingehalten wird.
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