Die SoftBank Group treibt ihre Transformation zu einem führenden Akteur im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) mit massiven Kapitalmaßnahmen und einer Neuausrichtung ihres Beteiligungsportfolios voran.
Das Unternehmen plant die Aufnahme von einer Billion Yen über eine siebenjährige Anleihe für Privatanleger, was umgerechnet etwa 6,26 Milliarden US-Dollar entspricht. Es handelt sich dabei um die größte Emission dieser Art, die jemals von einem japanischen Unternehmen angekündigt wurde. Die Mittel sollen vorrangig in den Ausbau der KI-Infrastruktur sowie in die Refinanzierung bestehender Verbindlichkeiten fließen.
Massive Kapitalaufnahme für den technologischen Wandel
Die geplante Retail-Anleihe, über die Nikkei und Reuters am Montag berichteten, sieht einen Kupon im oberen Bereich von vier Prozent vor. Für den Konzern ist dies bereits die dritte Emission für Privatanleger im laufenden Kalenderjahr, nachdem bereits im April und Juni ähnliche Instrumente genutzt wurden.
Die Nachricht über die umfangreiche Schuldenaufnahme belastete den Kurs in der vergangenen Woche zeitweise deutlich; am Montag brachen die Notierungen an der Börse in Tokio um mehr als zehn Prozent ein.
Parallel dazu sichert das Unternehmen die finanzielle Stabilität seiner Tochtergesellschaften. Die Ratingagentur Fitch bestätigte am Freitag die Bewertung für den Telekommunikationszweig SoftBank Corp. mit „BBB+“ und einem stabilen Ausblick. Als Gründe nannten die Analysten die starke Position im Mobilfunkmarkt sowie die Diversifizierung durch die Beteiligung an der LY Corporation.
Strategischer Portfolioumbau: Fokus auf Intel statt TSMC
Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC vom 14. August gewähren Einblick in eine tiefgreifende Umschichtung des US-Aktienportfolios zum Ende des zweiten Quartals. Demnach hat die SoftBank Group ihre Beteiligung an Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) drastisch reduziert und 71,5 % der Position veräußert. Der Verkauf von rund 1,4 Millionen Aktien spülte etwa 269,8 Millionen US-Dollar in die Kassen.
Im Gegenzug offenbarte das Unternehmen eine massive Position beim US-Halbleiterhersteller Intel. Mit über 86,9 Millionen Aktien im Wert von rund 12,14 Milliarden US-Dollar macht dieser Wert allein zwei Drittel des gesamten gemeldeten US-Aktienportfolios aus.
Das Gesamtvolumen der 33 gemeldeten US-Beteiligungen belief sich zum Stichtag am 30. Juni auf 18,17 Milliarden US-Dollar. Ergänzt wurde das Portfolio zudem durch neue kleinere Positionen beim Finanzdienstleister Capital One sowie dem GPS-Dienst Life360.
Expansion in Robotik und Energieinfrastruktur
Neben dem klassischen Aktiengeschäft verstärkt der Konzern seine Präsenz in der sogenannten „physischen KI“. Am Donnerstag wurde bekannt, dass das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 200 Millionen US-Dollar für die Schweizer Firma Gravis Robotics anführt, die auf Baurobotik spezialisiert ist. Diese Investition unterstreicht die Strategie, KI-Anwendungen in die physische Arbeitswelt zu integrieren.
Auch im Bereich der Energieversorgung für Rechenzentren bahnen sich Großprojekte an. Medienberichten zufolge befindet sich der US-Chiphersteller Nvidia in Verhandlungen über eine Investition von bis zu drei Milliarden US-Dollar in die Tochtergesellschaft SB Energy.
Ziel ist die Unterstützung eines geplanten Rechenzentrums-Projekts in Ohio mit einem Gesamtvolumen von 100 Milliarden US-Dollar, das unter anderem Kapazitäten für OpenAI bereitstellen soll.
An den europäischen Märkten schloss die Aktie am Freitag bei 28,42 €, was einem Rückgang von 8,6 % über den Zeitraum der vergangenen sieben Tage entspricht. Die Marktkapitalisierung des Konzerns beläuft sich damit auf umgerechnet 165,20 Milliarden €.
Analysten von Bernstein hatten den Zielwert für die Aktie am 17. August auf 11.200 Yen angehoben und verwiesen dabei auf die steigende Bedeutung von CPUs in KI-Rechenzentren, wovon die Portfolio-Struktur des Konzerns profitieren dürfte.
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