SoftBank Group hat sich am heutigen Donnerstag deutlich erholt: Der Kurs legt um 1,7 Prozent auf 29,18 Euro zu, nachdem die Aktie an der Tokioter Börse laut Marktberichten bereits am Vortag kräftig zugelegt hatte. Die Erleichterung an den Anleihemärkten sorgt für Rückenwind – doch der Blick der Anleger richtet sich weiter auf die geplante Rekord-Anleihe des Konzerns.
Anleihe für Milliarden-Investitionen in „Physical AI“
SoftBank bereitet die größte Retail-Anleihe vor, die je ein japanisches Unternehmen aufgelegt hat: eine Billion Yen, umgerechnet rund 6,26 Milliarden Dollar, mit siebenjähriger Laufzeit. Der Erlös soll in Übernahmen im Bereich „Physical AI“ fließen und damit die KI-Strategie von Firmenchef Masayoshi Son stützen. Die Emission richtet sich gezielt an japanische Privatanleger.
Das Timing ist heikel. Parallel zu SoftBanks Anleiheplänen weiten sich die Risikoaufschläge im KI-nahen Kreditmarkt aus: Die Kreditausfallversicherung auf Nvidia-Anleihen stieg auf über 80 Basispunkte, ein Plus von rund 90 Prozent seit Jahresbeginn.
Bei Oracle kletterten die entsprechenden Aufschläge im Juli auf über 200 Basispunkte, S&P stufte den Konzern nur noch eine Stufe über Ramsch-Niveau ein. Anleihen mit KI-Bezug machen inzwischen bis zu 30 Prozent der Neuemissionen in Investment-Grade-Indizes aus – ein Umfeld, in dem SoftBank seine Rekordanleihe platzieren will.
Anleihenmarkt beruhigt sich, Chipwerte erholen sich
Für Entspannung sorgte am Mittwoch die Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen zu verdoppeln. Die Rendite 30-jähriger US-Treasuries, die zuvor auf ein 19-Jahres-Hoch von 5,337 Prozent geklettert war, fiel daraufhin um rund 9 Basispunkte.
Die Beruhigung an den Anleihemärkten strahlte auf asiatische Aktien aus: Der Nikkei 225 legte um gut ein Prozent auf 65.982 Punkte zu, Speicherchip-Hersteller Kioxia sprang um bis zu 5 Prozent, SoftBank zog um bis zu 4 Prozent an. Zuvor hatte die japanische Aktienvolatilität durch KI-getriebenen Handel ein 18-Jahres-Hoch erreicht, der Nikkei war am Mittwoch um 3 Prozent eingebrochen.
Dass sich der Kurs von SoftBank trotz der Erholung noch nicht stabilisiert hat, zeigt der Blick auf die mittelfristige Entwicklung: Auf Wochensicht steht ein Minus von 6,5 Prozent, auf Monatssicht von 10 Prozent zu Buche. Der RSI von 44,7 signalisiert keine überkaufte Lage, die annualisierte Volatilität von 73 Prozent unterstreicht jedoch die Nervosität rund um den Titel.
Intel-Beteiligung bleibt größter Aktivposten im US-Portfolio
Neben der Anleihe rückt auch SoftBanks US-Aktienportfolio in den Fokus. Der Konzern hält unverändert rund 87 Millionen Intel-Aktien, deren Wert allein durch die Kursentwicklung von 3,8 Milliarden Dollar Ende März auf 12,1 Milliarden Dollar Ende Juni gestiegen war.
Zum 19. August lag der Wert bei 8,4 Milliarden Dollar, bei einem Intel-Kurs von 96,69 Dollar. Die Position macht damit weiterhin rund 67 Prozent des gesamten US-Aktienportfolios von SoftBank aus, das zum 30. Juni auf 18,2 Milliarden Dollar taxiert wurde. Neue Aktien hat SoftBank zuletzt nicht zugekauft.
Operativ meldete SoftBank zudem gemeinsam mit Ericsson einen technischen Erfolg: Im kommerziellen 5G-Netz von SoftBank validierten beide Unternehmen erstmals in Japan einen KI-nativen Scheduler für die Link-Adaptation.
Die spektrale Effizienz verbesserte sich dabei um bis zu 25 Prozent, der Downlink-Durchsatz um bis zu 50 Prozent gegenüber konventioneller Technik – im Durchschnitt über alle Standorte ein Plus von 10 Prozent.
Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Technologische Fortschritte im Kerngeschäft treffen auf ein Umfeld steigender Finanzierungskosten für die ambitionierten KI-Wetten des Konzerns.
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