Manchmal passt einfach alles zusammen. Starke Quartalszahlen, ein Milliardendeal mit dem weltgrößten Cloud-Anbieter, eine angehobene Jahresprognose. Die Snowflake-Aktie schoss nach Handelsschluss um mehr als 35 Prozent nach oben, und wer sich die Details ansieht, dem fällt schwer, das als übertrieben abzutun.
Zahlen weit über den Erwartungen
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, also dem Quartal bis Ende April, wuchs Snowflake um 33 Prozent auf 1,39 Milliarden Dollar Umsatz. Analysten hatten im Schnitt 1,32 Milliarden erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 39 Cent, sieben Cent über der Konsensschätzung. Die Net Revenue Retention Rate, also wie viel bestehende Kunden im Vergleich zum Vorjahr ausgaben, kletterte auf 126 Prozent. Auch das lag über den Erwartungen.
CFO Brian Robins hob hervor, dass inzwischen 779 Kunden mehr als eine Million Dollar auf Jahresbasis ausgeben, 46 davon allein im ersten Quartal neu dazugekommen. Zum Vergleich: Im gleichen Quartal des Vorjahres waren es nur 26 neue Kunden in dieser Kategorie.
6 Milliarden Dollar für AWS-Infrastruktur
Parallel zu den Zahlen gab Snowflake einen Fünfjahresvertrag mit Amazon Web Services bekannt. Volumen: 6 Milliarden Dollar, gebunden an AWS‘ Graviton-Prozessoren und die KI-Infrastruktur des Konzerns. Das ist kein kleiner Schritt. Zum Vergleich: Beim Börsengang 2020 hatte Snowflake einen AWS-Vertrag über 1,2 Milliarden Dollar auf fünf Jahre offengelegt, 2023 wurde er auf 2,5 Milliarden angehoben. Jetzt also 6 Milliarden. Die Kurve zeigt steil nach oben.
Gil Luria von D.A. Davidson kommentierte, der neue Deal gebe Snowflake eine noch größere Rolle beim Übergang seiner Kunden in Richtung KI und stärke die Bindung an den wichtigsten Partner. Außerdem wird Amazon künftig rund 1,2 Milliarden Dollar pro Jahr auf Snowflakes Plattform ausgeben, so der bestätigte Teil des Vertrags.
Snowflake Inc. Aktie Chart
Agentic AI als nächste Wachstumswelle
CEO Sridhar Ramaswamy machte keinen Hehl daraus, wohin die Reise geht. KI beschleunige das Kerngeschäft mit der Datenplattform, Kunden migrierten mit wachsender Dringlichkeit zu Snowflake. Neben dem AWS-Deal kündigte das Unternehmen auch die geplante Übernahme von Natoma an, einem Spezialisten für Identitäts-Governance und privilegiertes Zugriffsmanagement. Ziel: KI-Agenten sicher und auditierbar in Unternehmensumgebungen zu bringen.
Die Jahresprognose für den Produktumsatz wurde auf 5,84 Milliarden Dollar angehoben, von zuvor 5,66 Milliarden. Für das laufende Quartal erwartet Snowflake Produktumsatz zwischen 1,415 und 1,42 Milliarden Dollar, deutlich über der Analystenerwartung von 1,37 Milliarden.
Viel Vorschuss, aber auch viel Substanz
Eine Aktie, die nach Zahlen um 35 Prozent steigt, hat meist einen Haken. Hier ist der Haken zumindest nicht in den Zahlen zu finden. GAAP-Verlust bleibt, wie bei Wachstumsunternehmen dieser Art üblich, ein Thema: 86 Cent Verlust je Aktie im abgelaufenen Quartal. Doch wer bei Snowflake auf GAAP-Gewinne wartet, hat das Geschäftsmodell wohl noch nicht ganz verstanden. 6 Milliarden Dollar in AWS-Infrastruktur zu stecken kostet eben erst, bevor es verdient wird.
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