Evan Spiegel klang zufrieden. 483 Millionen täglich aktive Nutzer, ein Nettoverlust von nur noch 89 Millionen Dollar, freier Cashflow von 286 Millionen. Für einen Moment sah es aus, als hätte Snap endlich die Kurve gekriegt. Dann kam der nachbörsliche Handel, und die Snap-Aktie rauschte 9 Prozent nach unten.
Was die Zahlen nicht erzählen
Der Gesamtumsatz von 1,53 Milliarden Dollar traf die obere Grenze der eigenen Prognose, die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich, und Dynamic Product Ads wuchsen mehr als 30 Prozent im Jahresvergleich. App-Purchase-Umsätze sogar um 87 Prozent. Klingt gut. Ist es auch, teilweise.
Der Haken steckt in Nordamerika. Große Werbetreibende dort blieben ein Gegenwind, wie Finanzchef Derek Andersen es nüchtern formulierte. Die Werbeeinnahmen lagen bei 1,24 Milliarden Dollar, aber rund 20 bis 25 Millionen davon fehlten wegen geopolitischer Verwerfungen im Nahen Osten allein im März. Dazu sanken die eCPMs um rund 12 Prozent, weil neue Werbeformate noch keine volle Nachfrage aufgebaut haben.
Nordamerika: Das eigentliche Problem
Richard Greenfield von LightShed stellte die Frage, die alle dachten: Kann Snap in Nordamerika Werbeumsätze steigern, ohne den Nutzertrend umzukehren? Spiegel wich nicht ganz aus, sagte aber, monetarisierbare täglich aktive Nutzer seien tatsächlich gewachsen. Für Q2 erwartet Snap allerdings einen Rückgang von 1 Million täglich aktiven Nutzern in Nordamerika. Das ist keine Katastrophe, aber auch kein Argument für Optimismus.
Snap Aktie Chart
Restrukturierung und ein letzter Call
Im April hat Snap die Kostenbasis um mehr als 500 Millionen Dollar annualisiert gekappt. Restrukturierungskosten von 95 bis 130 Millionen Dollar werden mehrheitlich im zweiten Quartal anfallen. Andersen gab die Q2-Umsatzprognose mit 1,52 bis 1,55 Milliarden Dollar aus, das bereinigte EBITDA soll zwischen 175 und 200 Millionen liegen. Und er erwähnte beiläufig, dass dies sein letzter Earnings Call bei Snap sei.
Außerdem hat Snap die Partnerschaft mit Perplexity im ersten Quartal einvernehmlich beendet. Die Q2-Prognose enthält keinen Beitrag daraus. Wie viel das kosten wird, sagte niemand genau.
Spiegel bleibt langfristig orientiert
Auf die Frage nach einem Aktivisten-Deck antwortete Spiegel, man werde weiter in die langfristige Chance investieren. Kein Zugeständnis, kein Richtungswechsel. Andersens Einschätzung zur Erholung bei großen Werbetreibenden: „früh und ungleichmäßig“. Das ist die ehrlichste Formulierung des ganzen Abends, und der Markt hat sie verstanden.
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