Snap sucht neue Wachstumsfelder – und findet sie offenbar dort, wo bisher niemand Snapchat vermutet hätte: in Konzernbüros. Das Unternehmen kündigte eine Partnerschaft mit Nvidia, Amazon und Salesforce an, um seine Augmented-Reality-Brille für den Unternehmensmarkt nutzbar zu machen. Die Aktie reagierte im nachbörslichen Handel mit einem Plus von 2,5 Prozent.
Vom Consumer-Spielzeug zum Business-Tool
Bislang kannte man Snaps AR-Technologie vor allem aus Filtern und Spielereien für Teenager. Mit dem Schulterschluss zu drei Schwergewichten der Tech-Branche verschiebt sich der Fokus. Nvidia steuert die Rechenpower für komplexe KI-Anwendungen bei, Amazon und Salesforce bringen ihre Cloud- und CRM-Infrastruktur ein. Für Snap eröffnet das ein Geschäftsfeld abseits der Werbeerlöse, auf die der Konzern traditionell fast vollständig angewiesen ist.
Der Schritt fällt in eine Marktphase, in der Technologiewerte ohnehin unter Beobachtung stehen. Die US-Notenbank hatte kurz zuvor die Leitzinsen erstmals seit drei Jahren angehoben, was besonders wachstumsstarke Tech-Titel unter Druck setzte. Dass Snap trotz eines allgemein angespannten Marktumfelds zulegen konnte, unterstreicht, wie stark Anleger auf die neue Kooperation reagierten.
Regulatorischer Gegenwind aus Brüssel
Parallel zur Geschäftsausweitung braut sich politischer Druck zusammen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte einen formellen Vorschlag an, der Kindern unter 13 Jahren den Zugang zu sozialen Netzwerken wie Snapchat, TikTok und Instagram verwehren soll. Jugendliche ab 13 Jahren sollen zunächst nur zeitlich begrenzte, elternüberwachte „Mini-Konten“ nutzen dürfen – eigene Nutzerkonten wären demnach erst ab 15 Jahren vorgesehen.
Bis der Vorschlag Gesetz wird, dürfte es dauern. Das EU-Parlament und die Mitgliedsländer müssen sich noch damit befassen, was sich über Monate oder Jahre hinziehen kann. Für Snap, dessen Nutzerbasis traditionell stark bei jüngeren Zielgruppen liegt, bleibt das Thema dennoch ein Risikofaktor im Hintergrund – auch wenn kurzfristig keine unmittelbaren Auswirkungen zu erwarten sind.
Die Enterprise-Partnerschaft mit Nvidia, Amazon und Salesforce dürfte in den kommenden Quartalen zeigen, ob Snap seine AR-Technologie tatsächlich in zusätzliche Umsätze außerhalb des Werbegeschäfts verwandeln kann.
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