Smith & Nephew hat nach den gescheiterten Gesprächen über einen Zusammenschluss mit der Orthopädiesparte von Johnson & Johnson eine wichtige Unterscheidung getroffen: Abgelehnt worden sei die vorgeschlagene CEO-Ernennung, „nicht der Deal“. Das erklärte das Unternehmen gestern per E-Mail.
Ob die Verhandlungen weiterlaufen oder wiederaufgenommen wurden, bleibt allerdings offen. Für Anleger ist damit weder ein Zusammenschluss bestätigt noch dessen endgültiges Aus besiegelt.
Führungsfrage blockiert den Zusammenschluss
Reuters hatte am Freitag berichtet, dass die Gespräche wenige Wochen zuvor am Streit über die Führung gescheitert seien. Johnson & Johnson bevorzugte demnach Namal Nawana. Smith & Nephew wollte dagegen am eigenen CEO Deepak Nath festhalten. Laut Verhandlungskreisen leitet Nawana DePuy Synthes.
Dabei waren die Parteien offenbar bereits weit über unverbindliche Sondierungen hinaus. Nach einem Bericht der Financial Times waren die wesentlichen finanziellen Bedingungen und die Struktur vereinbart. Die Aktionäre von Johnson & Johnson hätten 50,1 % des fusionierten Unternehmens erhalten.
Die Führungsfrage war damit keine Randbedingung, sondern das entscheidende Hindernis für eine bereits weit ausgearbeitete Transaktion. Die jüngste Erklärung von Smith & Nephew verändert diese Ausgangslage nicht grundsätzlich. Sie grenzt aber die Ablehnung eines Personalvorschlags ausdrücklich von einer Ablehnung des Zusammenschlusses ab.
Große Transaktion mit Finanzierungsfragen
Smith & Nephew hatte für die Hüft- und Knieprothesensparte von Johnson & Johnson eine Bewertung von bis zu 22 Mrd. US-Dollar ins Gespräch gebracht. Laut Insidern erwog das Unternehmen zudem eine schuldenfinanzierte Dividende von rund 10 Mrd. US-Dollar an Johnson & Johnson.
Diese Überlegungen zeigen, dass neben der Besetzung der Unternehmensspitze auch die Finanzierung für Anleger wesentlich gewesen wäre. Eine schuldenfinanzierte Zahlung wäre mehr als eine organisatorische Begleitmaßnahme. Bislang handelt es sich jedoch um berichtete Verhandlungsüberlegungen, nicht um eine beschlossene Kapitalmaßnahme.
Die wirtschaftliche Größenordnung des angestrebten Zusammenschlusses unterstreicht der Umsatz des betreffenden Geschäfts: Die Hüft- und Kniesparte von Johnson & Johnson erzielte im Geschäftsjahr 2024 rund 9,2 Mrd. US-Dollar.
Abspaltung bleibt die Alternative
Johnson & Johnson verfolgt parallel die Trennung von DePuy Synthes. CEO Joaquin Duato erklärte am 13. Oktober, diese liege für Mitte 2027 im Plan. Das Unternehmen tendiere zu einer Abspaltung als eigenständiges Unternehmen.
Für Smith & Nephew bleibt deshalb die Unterscheidung zwischen grundsätzlicher Offenheit und einem tatsächlich erreichbaren Abschluss entscheidend. Die Erklärung vom Wochenende signalisiert keine Wiederaufnahme der Gespräche. Solange eine solche Bestätigung fehlt, ist der Zusammenschluss eine offene strategische Möglichkeit – keine vereinbarte Transaktion.
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