Smith+Nephew bringt sein Knorpelreparatur-Implantat CARTIHEAL AGILI-C in Europa auf den Markt. Der Medizintechnikkonzern meldet die kommerzielle Verfügbarkeit heute und setzt dabei auf eine frisch veröffentlichte Langzeitstudie als Verkaufsargument.
Aragonit-Gerüst statt Standardverfahren
In den USA vertreibt das Unternehmen das Produkt seit 2024. Das Implantat besteht aus Aragonit, einer natürlichen Form von Kalziumkarbonat, und wirkt als zweiphasiges Gerüst. Es soll Knorpel und Knochen reparieren und Schmerzen lindern. Smith+Nephew zufolge können Chirurgen damit Patienten behandeln, die bislang keinen Zugang zu Knorpelreparatur hatten.
Die klinische Evidenz stammt aus einer multizentrischen, randomisierten Studie im American Journal of Sports Medicine. Das Implantat erzielte über den gesamten Beobachtungszeitraum von 60 Monaten bessere Gesamtwerte im KOOS, einem etablierten Score für Knieverletzungen und Arthrose, als der chirurgische Standard aus Mikrofrakturierung oder Débridement.
Weitere Ergebnisse der Studie:
- Die Schmerzen im Knie gingen über fünf Jahre deutlich stärker zurück, die Lebensqualität verbesserte sich stärker.
- Die Funktion im Alltag, beim Sport und in der Freizeit war nach zwei, vier und fünf Jahren besser.
- Zwischen Patienten mit und ohne Arthrose zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied im klinischen Ergebnis.
Start in zwölf Ländern
Der Marktstart erfolgt zunächst in Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Spanien, der Schweiz und Großbritannien. Weitere Länder sollen bald folgen. Joaquin Lasso, verantwortlich für die internationale Sportmedizin des Konzerns, spricht von einer innovativen, evidenzbasierten Lösung für ungedeckte klinische Bedürfnisse.
Die Orthopädin Francesca de Caro vom Pavia Hospital nennt Knorpeldefekte eine der größten Herausforderungen der orthopädischen Sportmedizin. Es sei ermutigend, dass solche Ansätze für mehr Chirurgen und Patienten verfügbar würden.
Den ersten großen Auftritt hat das Produkt auf dem ICRS-Kongress in Porto vom 8. bis 10. Oktober. Dort präsentiert Smith+Nephew das Implantat am eigenen Stand. Finanzielle Angaben zu erwarteten Umsätzen macht der Konzern nicht. Für die Sportmedizinsparte, einen der drei Geschäftsbereiche neben Orthopädie und Wundmanagement, erweitert der Europastart aber das Portfolio in einem wachstumsstarken Nischenmarkt.
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