Im Earnings-Call der vergangenen Woche hätten Investoren gern ein Wort gehört. Eines einziges hätte gereicht. Stattdessen sagte SK Hynix, man prüfe zusätzliche Maßnahmen und werde die Pläne noch in diesem Jahr mitteilen. Kim Kyu-shik, Portfoliomanager beim Singapurer Hedgefonds Vista Global Asset Management, fasste die Stimmung danach so zusammen: „Nach dem Call war ich wirklich wütend. Die Aktionäre haben den Call auf irgendein Hoffnungszeichen hin verfolgt.“
263 Milliarden, und dann?
Die Zahlen sind schlicht absurd. Samsung und SK Hynix sitzen bis Jahresende zusammen auf rund 263 Mrd. USD Nettoliquidität, mehr als doppelt so viel wie Nvidia mit geschätzten 102 Mrd. USD, und mehr als die sechs übrigen Magnificent-Seven-Konzerne zusammen. Die KI-Nachfrage spült Geld in die Kassen der Koreaner in einem Tempo, das selbst erfahrene Analysten überrascht.
Und trotzdem: Die Aktie von SK Hynix ist seit ihrem Rekordhoch im Juni um rund 48 Prozent eingebrochen. Heute nochmals gut 9 Prozent runter.
50 Prozent, während Micron 100 verspricht
Das Problem ist bekannt, wird aber nicht kleiner. SK Hynix und Samsung schütten derzeit rund die Hälfte des Free Cashflow an Aktionäre aus. Micron, der US-Konkurrent, hat im Juni 100 Prozent versprochen. Richard Clode von Janus Henderson Investors, dessen Fonds SK-Hynix-Aktien hält, bringt es auf den Punkt: „Wenn man bei etwas um 50 Prozent Free-Cashflow-Ausschüttung bleibt, endet man mit einer extrem ineffizienten Bilanz.“ Und er setzt nach: Wer sage, man sei sich bei der Zukunft etwas unsicher, füttere nur die Erzählung, dass der KI-Boom vorübergehend und zyklisch sei.
Das ist der eigentliche Schaden. Nicht die 50 Prozent an sich, sondern was sie kommunizieren.
JPMorgan dreht die Daumenschrauben
Analysten von JPMorgan haben ihr Kursziel für SK Hynix gesenkt. Ihre Begründung: Eine „klare Haltung zur Kapitalallokation ist zwingend erforderlich, um die Aktien-Stimmung wiederherzustellen.“ Aadil Ebrahim von der Klay Group ergänzt, es sei keine Entweder-oder-Entscheidung zwischen Investitionen und Ausschüttungen. Angesichts der erwarteten Cash-Generierung könnten beide Ziele gleichzeitig erreicht werden. Analyst Park Jun-young von Hanwha Investment & Securities sieht das ähnlich: Mehrjährige Lieferverträge mit Großkunden sollen übermäßige Kapazitätserweiterungen verhindern und so mehr Cash für Aktionäre freisetzen.
Korea-Discount, live und in Farbe
Im Hintergrund läuft eine größere Debatte. Der sogenannte Korea-Discount, also die Tendenz koreanischer Unternehmen, trotz starker Fundamentaldaten zu niedrigeren Bewertungen zu handeln als westliche Pendants, hat viel mit genau dieser Frage zu tun. Ebrahim verweist auf Apple 2013 als Blaupause: Seinerzeit verkündete der Konzern, in den folgenden zwei Jahren bis zu 100 Mrd. USD an die Aktionäre zurückzugeben, das Aktienrückkaufprogramm wurde versechsfacht. Was folgte, kennt jeder.
SK Hynix hat den Rekordcash. Was fehlt, ist der Mut zum klaren Bekenntnis. Noch in diesem Jahr, hieß es. Das Jahr hat noch knapp fünf Monate.
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