Der KI-Boom hat ein neues Problem: Geld wird teurer. Am Donnerstagmorgen rutschte SK Hynix zeitweise um mehr als zehn Prozent ab und zog damit die gesamte asiatische Chipbranche mit nach unten. Auslöser ist die Sorge, dass steigende Zinsen den Ausbau der KI-Infrastruktur ausbremsen.
Zinsangst erreicht Asien
Der Ausverkauf kam von der Wall Street. Überraschend hohe US-Inflationsdaten schürten am Mittwoch die Angst vor weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank. Der Nasdaq Composite verlor 1,88 Prozent, der S&P 500 gab 1,11 Prozent nach.
In Asien fielen die Reaktionen teils noch heftiger aus. Samsung Electronics büßte 7,1 Prozent ein, SoftBank knapp 9,8 Prozent. Der Chipausrüster Tokyo Electron verlor gut sieben Prozent, Advantest sogar mehr als 14 Prozent. SK Hynix reiht sich als Speicherspezialist in diese Gruppe ein, die besonders stark am KI-Investitionszyklus hängt.
Kapital als Engpass
Der Kern der Sorge: Der Aufbau von Rechenzentren verschlingt enorme Summen. Höhere Kreditzinsen verteuern diese Projekte und könnten Investitionen bremsen. Schon zu Wochenbeginn hatten die Chefs von Broadcom und Intel vor einem möglichen Kapitalengpass gewarnt. Broadcom-Chef Hock Tan hält die Finanzierung sogar für eine potenziell größere Hürde als fehlende Chips oder knappe Stromkapazitäten.
Für einen Speicherhersteller wie SK Hynix ist das heikel. Seine Nachfrage hängt direkt davon ab, wie viel Geld die großen Cloud-Anbieter in neue KI-Kapazitäten stecken.
Ives sieht Kaufgelegenheit
Nicht alle teilen die Skepsis. Dan Ives von Yorkville Advisors verweist auf US-Staatsanleiherenditen von über fünf Prozent, die große Infrastrukturprojekte verteuern. Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung sei aber weiterhin robust. Er wertet den Rücksetzer als Einstiegschance und sieht den KI-Ausbau noch am Anfang.
Ives nennt auch Bedingungen, unter denen er skeptischer würde: gekürzte Investitionspläne der großen Cloud-Konzerne, stornierte Verträge oder sinkende Mietpreise für Grafikprozessoren. Höhere Zinsen allein ändern seine Einschätzung bislang nicht.
Für SK Hynix liefern damit die Investitionspläne der Cloud-Konzerne den Maßstab. Solange Kürzungen oder Stornierungen ausbleiben, spricht aus Ives‘ Sicht wenig gegen den Wachstumskurs. Erst solche Signale würden die Lage nach seiner Lesart wirklich drehen.
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