SK Hynix ist an der Nasdaq gelandet – und das gleich mit einem Paukenschlag am Ausgabepreis. Doch die eigentliche Nachricht des Tages kam nicht von der Kurstafel, sondern aus dem Mund des Vorstandschefs: Die Speicherchip-Industrie steuere 2027 auf den schlimmsten Angebotsengpass ihrer Geschichte zu.
Debüt mit Überzeichnung
Die Aktien starteten am Freitag mit einem ersten Kurs von 170 US-Dollar in den Handel, rund 14 Prozent über dem Ausgabepreis von 149 Dollar. Zum Handelsschluss blieb ein Aufschlag von 13 Prozent auf 168,33 Dollar. Über American Depositary Receipts sammelte der südkoreanische Speicherchip-Konzern 26,5 Milliarden Dollar ein – die Nachfrage übertraf das Angebot Berichten zufolge um das Siebenfache.
Der Zeitpunkt war nicht zufällig gewählt. Ende Juni hatten die Papiere in Seoul mit knapp drei Millionen koreanischen Won ein Rekordhoch markiert, bevor eine Korrektur rund ein Viertel des Wertes kostete. Der Börsengang in New York galt entsprechend als Stimmungstest dafür, ob Investoren nach dieser Zitterpartie weiter auf den KI-Boom setzen. Die Antwort fiel eindeutig aus.
CEO sieht Engpass bis über 2030 hinaus
Firmenchef Kwak Noh-jung ließ am Tag des Nasdaq-Starts aufhorchen: 2027 werde das schwächste Versorgungsjahr in der Geschichte der Speicherbranche. Die Kundennachfrage übersteige die eigenen Produktionskapazitäten – und das werde sich nach seiner Einschätzung selbst über das Jahr 2030 hinaus nicht grundlegend ändern.
Chairman Chey Tae-won unterstrich diese Einschätzung mit eigenen Worten: Selbst nachdem SK Hynix eine Verdopplung der Kapazität binnen fünf Jahren angekündigt hatte, hätten Kunden zurückgemeldet, das reiche nicht aus. Der Grund liegt in den sogenannten HBM-Chips – Hochleistungsspeicher, die als Schlüsselkomponente in KI-Beschleunigern von Nvidia und anderen Anbietern stecken und weit komplexer zu fertigen sind als klassischer Arbeitsspeicher.
Um die Nachfrage zu bedienen, investiert der Konzern in einen Fabrikcluster im südkoreanischen Yongin sowie in eine milliardenschwere Packaging-Anlage im US-Bundesstaat Indiana. Der Großteil der geplanten Expansion soll allerdings weiterhin in Südkorea stattfinden.
Analystin Antje Laschewski von der Landesbank Baden-Württemberg bezeichnete den US-Listing-Schritt als „Stimmungsbarometer für den überhitzten KI-Sektor“ – die jüngste Korrektur zeige, wie nervös der Markt inzwischen reagiert. Der Debüterfolg selbst strahlte am Freitag auch auf andere Halbleiterwerte wie Nvidia, AMD und Applied Materials aus, die im Sog des Handelsstarts zulegten.
Für SK Hynix wechselt das Kürzel an der Nasdaq kommenden Dienstag von SKHYV zu SKHY – ein technisches Detail, das den eigentlichen Fokus der kommenden Wochen nicht verändert: ob sich die von Kwak prognostizierte Angebotslücke tatsächlich so gravierend materialisiert, wie er es am Tag des Börsenstarts in Aussicht stellte.
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