Bei SK Hynix ist ein sorgfältig ausgehandelter Tarifkompromiss an einer hauchdünnen Mehrheit gescheitert. Die Gewerkschaftsmitglieder stimmten am Dienstag gegen die vereinbarte Lohnvereinbarung – mit 50,08 zu 49,92 Prozent bei 15.045 abgegebenen Stimmen, wie Reuters unter Berufung auf eine mit dem Vorgang vertraute Person berichtete. Ein knapperes Ergebnis ist kaum vorstellbar.
Die abgelehnte Vereinbarung, die das Unternehmen zuvor am 20. August mit den südkoreanischen Beschäftigten erzielt hatte, sah vor, 60 Prozent der diesjährigen Boni in Aktien statt in bar auszuzahlen. Hinzu kam eine Grundlohnerhöhung von 6,3 Prozent sowie eine Klausel, die im Verlustfall eine Verschiebung von bis zu 3 Prozent der Löhne erlaubt hätte.
Gerade die Aktienkomponente und die Verlust-Klausel dürften bei der Belegschaft für Skepsis gesorgt haben, auch wenn die genauen Ablehnungsgründe nicht im Detail bekannt sind.
Ein Unternehmen im Spagat zwischen Boom und Belegschaft
Der gescheiterte Deal fällt in eine Phase, in der SK Hynix operativ auf allen Ebenen expandiert. Erst vor rund zwei Wochen hatte der Speicherchip-Hersteller angekündigt, Aktien im Volumen von 40 Billionen Won zurückzukaufen und einzuziehen sowie mehr als die Hälfte des zwischen 2025 und 2027 erwirtschafteten freien Cashflows an die Aktionäre auszuschütten. Seither hat das Papier rund 9,9 Prozent zugelegt – ein Beleg dafür, wie stark der Markt auf Kapitalrückgaben reagiert hat.
Parallel dazu treibt SK Hynix seine internationale Expansion voran. Am Donnerstag kündigte der Konzern beim Spatenstich für ein Verpackungs- und Forschungswerk im US-Bundesstaat Indiana an, dort ab dem dritten Quartal 2029 mit der Serienproduktion von HBM4E-Chips zu beginnen.
Zugleich rechnet das Unternehmen damit, dass die aktuelle Speicherchip-Knappheit bis Ende 2030 anhält. Zusätzlich wird laut einem Bericht von Hankyoreh, den Reuters aufgriff, ein weiteres Werk in der japanischen Präfektur Miyagi geprüft – SK Hynix selbst betonte, es gebe noch keine Entscheidung und grundsätzlich komme jeder Standort mit passender Infrastruktur infrage.
Dieses Investitionstempo erfordert enormes Kapital und eine motivierte Belegschaft zugleich. Die abgelehnte Lohnvereinbarung zeigt, dass der Rückhalt in der Belegschaft für den eingeschlagenen Kurs nicht selbstverständlich ist – trotz eines Geschäftsumfelds, das Analysten zufolge von steigenden Speicherchip-Preisen durch die KI-Investitionswelle profitiert und laut Reuters sogar Südkoreas August-Exportwachstum stützt.
Kursreaktion spiegelt Nervosität
Der Aktienkurs reagierte deutlich: Am Freitag schloss das Papier bei 1.653.000 Won, ein Minus von 4,5 Prozent auf Tagesbasis und ebenso auf Wochensicht. Damit notiert die Aktie rund 15 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, obwohl sie seit Jahresbeginn weiterhin ein Plus von 154 Prozent aufweist.
Die Volatilität bleibt mit 132 Prozent auf 30-Tage-Basis hoch – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Gemengelage aus Rekordinvestitionen, ungewisser Lohnfindung und einem grundsätzlich engen Speichermarkt nervös verfolgen.
Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, wie SK Hynix die Verhandlungen mit der Gewerkschaft wieder aufnimmt. Ein zweiter Anlauf gilt als wahrscheinlich, doch der Zeitplan für ein neues Angebot ist bislang nicht bekannt.
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