Rekordzahlen, aber der Kurs bricht ein. SK Hynix meldet für das zweite Quartal den besten operativen Gewinn der Firmengeschichte. Die Aktie verliert trotzdem an einem einzigen Tag fast neun Prozent.
Am Montag schloss das Papier des südkoreanischen Speicherchip-Herstellers bei 1.567.000 Won, ein Tagesminus von 8,79 Prozent. Der breitere Markt zog mit: Der Leitindex KOSPI fiel um rund fünf Prozent. Anleger reagierten auf eine Mischung aus Rezessionsängsten in den USA und der plötzlichen Auflösung des japanischen Yen-Carry-Trades, der zuletzt viel Liquidität in globale Tech-Werte gespült hatte.
Die Wucht der Korrektur zeigt sich im Zeitverlauf. Binnen 30 Tagen hat die Aktie rund ein Drittel ihres Werts verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.987.000 Won, erreicht Ende Juni, liegt der Kurs inzwischen fast 48 Prozent entfernt.
Starke Zahlen, verkaufte Nachrichten
Die Diskrepanz zwischen Geschäftsverlauf und Kursreaktion ist auffällig. Am 29. Juli meldete SK Hynix für das zweite Quartal einen Umsatz von 79,32 Billionen Won. Der operative Gewinn kletterte auf 60,54 Billionen Won.
Im Jahresvergleich bedeutet das ein Umsatzplus von 257 Prozent. Der operative Gewinn stieg sogar um 557 Prozent. Die operative Marge liegt bei bemerkenswerten 76 Prozent.
Trotzdem verkauften Investoren die Nachricht, statt sie zu feiern. Analysten sehen den Grund vor allem in der Frage, wie lange die massiven Investitionen der großen KI-Cloud-Anbieter noch anhalten. Hinzu kommt ein strukturelles Detail: Rund die Hälfte der DRAM-Verkäufe im zweiten Quartal lief über langfristige Lieferverträge. Diese Fixpreis-Abkommen hinderten SK Hynix daran, von der jüngsten Spotpreis-Rally voll zu profitieren — was einige Marktteilnehmer ihre kurzfristigen Erwartungen nach unten korrigieren ließ.
Neuer Speicherstandard als Antwort auf HBM-Zweifel
Während der Aktienmarkt auf Makrorisiken schaute, nutzte SK Hynix die „Future of Memory and Storage“-Konferenz in Santa Clara für einen strategischen Vorstoß. Am Dienstag stellte das Unternehmen gemeinsam mit Sandisk die erste Standardspezifikation für High Bandwidth Flash vor, kurz HBF.
HBF soll künftig zwischen High Bandwidth Memory und klassischen SSDs sitzen. Die Technologie kombiniert schnellen Datentransfer mit NAND-Speicher und erreicht Kapazitäten von bis zu 512 Gigabyte. Ziel ist es, Engpässe bei KI-Inferenz-Anwendungen zu lösen.
Der Schritt zeigt: SK Hynix will sein KI-Portfolio breiter aufstellen. Bislang hing das Unternehmen stark an HBM3E und dem kommenden HBM4. Mit HBF entsteht eine dritte Säule für die wachsende Nachfrage nach großskaliger KI-Infrastruktur.
Gehebelte Privatanleger verschärfen den Ausverkauf
Der jüngste Kurseinbruch bekam zusätzlichen Schub durch Zwangsliquidationen. Berichten zufolge lösten mehr als 1,2 Millionen gehebelte Privatkonten in Südkorea während der Volatilität Anfang August Nachschussforderungen aus. Das verstärkte den Verkaufsdruck zusätzlich zu den fundamentalen Sorgen.
Ein Blick auf längere Zeiträume relativiert die Dramatik allerdings. Die Aktie notiert weiterhin rund 32 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 1.187.091 Won — die Korrektur hat also erst einen Teil der vorherigen Rally aufgezehrt.
Finanziell steht SK Hynix solide da. Zum Ende des zweiten Quartals verfügte der Konzern über eine Kasse von 88 Billionen Won. Dieses Polster finanziert die laufenden Investitionen in die Fab Cheongju M15X sowie die Entwicklung von HBM4-Mustern, die derzeit an Schlüsselkunden ausgeliefert werden.
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