SK Hynix hat am Freitag eine der größten Einzelinvestitionen seiner Geschichte besiegelt – ausgerechnet während die Aktie binnen einer Woche mehr als ein Sechstel ihres Wertes verloren hat. Der Vorstand des Speicherchip-Herstellers genehmigte 54,3 Billionen Won, umgerechnet rund 38 Milliarden Dollar, für zwei neue Werke in Yongin und Cheongju. Der Schritt zeigt, wie sehr das Unternehmen auf den anhaltenden Boom bei KI-Speicherchips setzt, selbst wenn der Aktienmarkt gerade das Gegenteil einpreist.
38 Milliarden Dollar für zwei neue Werke
Der größere Batzen der Investition entfällt mit 35,2 Billionen Won auf die neue Fabrik Y2 im Cluster Yongin. Dort sollen künftig DRAM- und HBM-Chips für den KI-Markt entstehen, auf einer Fläche von rund 1,13 Millionen Quadratmetern. Der Bau startet im Juli 2027, der erste Reinraum soll im Juni 2029 stehen. Für das NAND-Werk M17 in Cheongju sind 19,1 Billionen Won vorgesehen, Baubeginn dort ist im Februar 2027, die erste Reinraum-Inbetriebnahme im Dezember 2028. Zusammen mit der Ausrüstung übersteigt das Gesamtvolumen nach Angaben aus dem Umfeld der Ankündigung 150 Billionen Won. Die Summe entspricht knapp 45 Prozent des bilanzierten Eigenkapitals von SK Hynix in Höhe von 120,7 Billionen Won – ein Fingerzeig darauf, wie viel Vertrauen das Management in den mehrjährigen Nachfragezyklus setzt. Der Marktforscher Omdia rechnet mit einem jährlichen Wachstum des DRAM- und NAND-Marktes von 19 Prozent bis 2030.
Aktie verliert die Hälfte vom Rekordhoch
Die Investitionsankündigung fällt in eine Phase heftiger Kursturbulenzen. Die Aktie von SK Hynix notiert aktuell bei 1.422.000 Won und büßt im heutigen Handel 4,88 Prozent ein. Damit hat sich der Abstand zum Rekordhoch vom 25. Juni auf 52,39 Prozent ausgeweitet. Am Donnerstag war das Papier bereits um mehr als 10 Prozent eingebrochen, nachdem der Leitindex Kospi im Zuge einer US-Technologiekorrektur um 4,58 Prozent auf 6.296,38 Punkte gefallen war. Samsung Electronics verlor am selben Tag rund 6,3 Prozent. Am Freitag zeigte sich am Markt eine Rotation: Samsung legte leicht zu, während SK Hynix als reinerer HBM-Wert erneut nachgab – Anleger scheinen die breiter diversifizierte Aufstellung von Samsung derzeit zu bevorzugen. Trotz des massiven Rückschlags der vergangenen Wochen bleibt SK Hynix eines der bevorzugten Ziele koreanischer Privatanleger: In der Woche bis Freitag kauften sie netto Aktien im Wert von 4,44 Billionen Won, während ausländische Investoren eher zu Verteidigungs- und Biotech-Werten wie Hanwha Aerospace und Celltrion wechselten.
Dividende und Aussicht auf mehr Kapitalrückgaben
Parallel zur Investitionsentscheidung kündigte SK Hynix eine Quartalsdividende von 375 Won pro Aktie an, mit Stichtag Ende August. Das Unternehmen stellte zudem in Aussicht, im dritten Quartal zusätzliche Aktionärsrenditen bekanntzugeben, möglicherweise inklusive Aktienrückkäufen. Der Hintergrund: Das operative Ergebnis des zweiten Quartals kletterte auf einen Rekordwert von 60,54 Billionen Won, ein Plus von 557,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getrieben wird dieser Gewinnsprung vor allem von HBM-Lieferungen an Nvidia, mit denen SK Hynix nach Berichten zeitweise Samsung als wertvollstes Unternehmen Südkoreas überholt hat. Die Herausforderung für das Management liegt darin, hohe Ausschüttungen mit dem enormen Kapitalbedarf für den Fabrikausbau in Einklang zu bringen – eine Balance, die auch Konkurrenten wie Samsung und Micron derzeit suchen.
Wachsender Druck aus China
Die Investitionsoffensive erfolgt auch als Reaktion auf wachsende Konkurrenz aus China. Der Speicherhersteller CXMT hat seinen Anteil am globalen DRAM-Markt im zweiten Quartal auf 7 Prozent ausgebaut, während der Anteil von SK Hynix im selben Zeitraum auf 26 Prozent zurückging. CXMT bereitet zudem einen Börsengang in Shanghai vor, mit dem Mittel für die eigene HBM-Entwicklung eingesammelt werden sollen. Südkoreas Industrieminister Kim Jung-kwan warnte in diesem Zusammenhang davor, dass eine zu großzügige Gewinnverteilung bei heimischen Chipkonzernen dem Land im globalen Wettlauf schaden könnte, und verwies dabei ausdrücklich auf die Investitionsdynamik von CXMT. Goldman Sachs sieht den Memory-Zyklus dagegen als strukturell stärker und länger als frühere Boomphasen und begründet damit unter anderem ein Kursziel von 12.000 Punkten für den Kospi binnen zwölf Monaten. Für SK Hynix bedeutet das: Der Ausbau in Yongin und Cheongju ist eine Wette darauf, dass die KI-Speichernachfrage den aktuellen Kursrutsch überdauert.
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