Bei SK Hynix spitzt sich der Streit über die Bonuszahlungen zu. Nach Angaben der Korea Herald reichten am heutigen Montag rund 3.800 Beschäftigte – etwa 11 Prozent der Belegschaft – Unterlagen zur Gründung einer einheitlichen, konzernweiten Gewerkschaft ein. Auslöser ist der Plan des Managements, einen Teil der Erfolgsprämien künftig in gesperrten Firmenaktien statt in bar auszuzahlen.
Am selben Tag kündigte das Management an, die Aktionärswert-Maßnahmen zu überprüfen und auszubauen. Konkrete Details zur erweiterten Kapitalallokation sollen im dritten Quartal 2026 folgen, nachdem Investoren zuvor Unzufriedenheit mit der bisherigen Prognose signalisiert hatten.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Die Aktie steckt in einer heftigen Korrektur. Der Kurs notiert aktuell bei 1.420.000 Won und hat allein in den vergangenen 30 Tagen 34,86 Prozent verloren. Der Relative-Stärke-Index von 39,0 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Der Bonusstreit trifft die Aktie damit in einer Phase, in der ohnehin schon Nervosität herrscht.
Rückhalt trotz Kursverlusten
Dass die operative Substanz des Unternehmens intakt ist, zeigen die jüngsten Quartalszahlen. Für das zweite Quartal 2026 meldete SK Hynix einen Umsatz von 79,32 Billionen Won, ein Plus von 257 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Gewinn kletterte um 557 Prozent auf 60,54 Billionen Won, die operative Marge erreichte mit 76 Prozent einen Rekordwert.
Konzernchef Chey Tae-won selbst hatte Ende Juli mit einem eigenen Kauf von SK-Hynix-Aktien im Wert von 4,5 Milliarden Won am freien Markt reagiert – ein Signal des Vertrauens nach der Kursvolatilität im Anschluss an die Zahlenvorlage.
Parallel zu den internen Spannungen prüft der Konzern laut einem Bericht von Bloomberg, der auch von der Taipei Times aufgegriffen wurde, strategische Optionen für sein Verpackungs- und Testwerk in Chongqing.
Ein möglicher Anteilsverkauf könnte die Anlage mit rund drei Milliarden Dollar bewerten. Solche Portfoliobereinigungen passen zu einem Unternehmen, das gleichzeitig Milliarden in neue Kapazitäten steckt und sein bestehendes Auslandsgeschäft neu ordnet.
Investitionsoffensive und neue Produkte
Der Vorstand billigte am Freitag ein Investitionspaket von 54,3 Billionen Won für zwei neue Fabriken: die „Y2“-Anlage in Yongin mit 35,2 Billionen Won und die „M17“-Fabrik in Cheongju mit 19,1 Billionen Won. Beide sollen die Produktionskapazität für KI-fokussierten Speicher deutlich erweitern.
Zeitgleich stellte SK Hynix auf der Fachkonferenz Future of Memory and Storage seine zehnte NAND-Flash-Generation vor, einen 375-Lagen-Chip mit nach eigenen Angaben 2,5-fach höherer Energieeffizienz.
Zusammen mit Sandisk veröffentlichte der Konzern zudem über das Open Compute Project erste technische Spezifikationen für High Bandwidth Flash, eine Speicherarchitektur gegen Engpässe bei KI-Inferenz-Anwendungen. Ergänzend beschloss das Unternehmen eine Quartalsdividende von 375 Won pro Aktie für das zweite Quartal 2026.
Analysten zwischen Euphorie und Vorsicht
Am 4. August erhielt SK Hynix binnen eines Tages gleich mehrere neue Bewertungen von US-Investmenthäusern. Bank of America nahm die Coverage mit einem Kauf-Rating und einem Kursziel von 250 Dollar wieder auf und verwies dabei auf langfristige KI-Chip-Aufträge von US-Technologiekonzernen.
Fünf weitere Häuser – darunter Wolfe Research, RBC Capital, Cantor Fitzgerald, Rosenblatt und Needham – starteten ihre Coverage ebenfalls mit Kaufempfehlungen, die Kursziele bewegten sich zwischen 200 und 320 Dollar.
Diese Einschätzungen bezogen sich auf die seit dem 10. Juli unter dem Kürzel SKHY an der Nasdaq gehandelten American Depositary Receipts des Konzerns. Etwas zurückhaltender äußerte sich Barclays bereits am 30. Juli: Das Haus senkte sein Kursziel von 330 auf 300 Dollar, beließ das Papier aber auf Overweight.
Für Anleger ergibt sich damit ein zwiespältiges Bild. Operativ und strategisch liefert SK Hynix Rekordzahlen, milliardenschwere Investitionen und neue Produkte im KI-Speichersegment. Innerbetrieblich wächst jedoch der Widerstand gegen die Vergütungspolitik, während der Kurs seine deutliche Erholung des laufenden Jahres zuletzt wieder abgegeben hat.
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