SK Hynix Aktie: 29,95-Prozent-Sprung nach 58-Prozent-Sturz

SK Hynix verzeichnet mit +29,95% den größten Tagesgewinn seiner Geschichte, nachdem die Aktie zuvor massiv eingebrochen war. Treiber sind starke US-Techzahlen und ein Short Squeeze.

Auf einen Blick:
  • Rekordplus von 29,95 Prozent
  • Short Squeeze treibt Kurs
  • Starke US-Techzahlen als Auslöser
  • Kospi mit historischem Tagesgewinn

30 Prozent Plus an einem einzigen Tag — mehr lässt die südkoreanische Börse gar nicht zu. SK Hynix erreichte am Freitag genau diesen Deckel und schloss mit einem Rekordgewinn von 29,95 Prozent bei 1.718.000 Won. Es war der beste Handelstag in der Geschichte des Speicherchip-Herstellers.

Nur Stunden zuvor sah die Lage noch komplett anders aus. Der Titel war binnen drei Tagen um rund 58 Prozent von seinem Hoch am 25. Juni abgestürzt. Am 28. und 29. Juli griffen an der Börse sogar Handelsunterbrechungen — zum ersten Mal in der Geschichte der Börse an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

Ein Hebel-Mechanismus in beide Richtungen

Analysten machen gehebelte Finanzprodukte für die extremen Ausschläge mitverantwortlich. Am 13. Juli, als die Aktie um 15 Prozent einbrach, mussten gehebelte ETFs laut Bloomberg-Schätzungen rund 5 Milliarden Dollar an SK-Hynix-Papieren abstoßen. Das entsprach 18 Prozent des gesamten Handelsvolumens an jenem Tag.

Am Freitag lief der Mechanismus in die Gegenrichtung. Über Nacht kräftige Gewinne bei US-Chiptechnologie zwangen Leerverkäufer südkoreanischer Techwerte, ihre Positionen einzudecken. Die Folge: ein klassischer Short Squeeze, der den Kurs zusätzlich nach oben trieb.

Amazon, Microsoft und ein Insider-Kauf

Ausgelöst wurde die Rally durch starke US-Techzahlen. Amazon und Microsoft legten Quartalsergebnisse vor, die die Fantasie rund um KI-Investitionen neu entfachten. Der iShares Semiconductor ETF sprang daraufhin über Nacht um mehr als 8 Prozent.

Wolfe-Research-Analyst Chris Caso bleibt bei Speicherchip-Aktien optimistisch. Er verweist auf knappes Angebot und starke KI-Nachfrage — ein deutliches Überangebot hält er vor 2028 für unwahrscheinlich, da der Aufbau neuer Fertigungskapazitäten schlicht Zeit braucht.

Zusätzlichen Schub lieferte ein Signal aus der Chefetage. SK-Group-Chairman Chey Tae-won kaufte erstmals direkt Aktien des Chipherstellers — 3.620 Stück im Wert von rund 4,79 Milliarden Won. Als die Aktie am Freitag ihr Tageslimit erreichte, lag sein Kaufgewinn bei umgerechnet rund 923.000 Dollar.

Auch die Kapitalflüsse zeigten ein klares Muster. Ausländische Investoren kauften Halbleiterwerte netto für 7,78 Billionen Won, Institutionen für 331,3 Milliarden Won. Private Anleger verkauften dagegen netto für 8,01 Billionen Won — sie zogen sich aus der Rally genau in dem Moment zurück, in dem die großen Adressen einstiegen.

Rekordgewinn trotz verfehlter Erwartungen

Der Rally ging eine turbulente Handelswoche voraus. Am Dienstag vor der Zahlenvorlage brach die Aktie um 14 Prozent ein, am Mittwoch folgten weitere 9,6 Prozent Verlust. Grund waren Sorgen um die Nachhaltigkeit der KI-Nachfrage und Nervosität wegen des Nahost-Konflikts.

Dabei lieferte SK Hynix operativ ab. Der operative Gewinn kletterte auf 60,54 Billionen Won — das fünfte Rekordquartal in Folge, ein Plus von 61 Prozent zum Vorquartal und 557 Prozent zum Vorjahr. Für 2026 rechnet der Konzern mit einem DRAM-Nachfragewachstum im mittleren Zwanziger-Prozentbereich.

Der Gesamtmarkt zieht mit

Die Bewegung bei SK Hynix war Teil eines historischen Kurssprungs am gesamten koreanischen Markt. Der Kospi-Index schloss am 31. Juli mit einem Plus von 17,91 Prozent — der größte Tagesgewinn seiner Geschichte. Zuvor war der Index im Juli um mehr als 20 Prozent gefallen und hatte bei 5.262,77 Punkten ein Tief markiert, ein Einbruch von 43,9 Prozent, der sogar den Corona-Crash vom März 2020 übertraf.

Zwei Nachrichten aus China hatten den vorherigen Ausverkauf mit angeheizt: Der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT sammelte bei einem Börsengang in Shanghai 8,6 Milliarden Dollar ein und schoss zum Debüt um 466 Prozent nach oben. Parallel kursierten Berichte, wonach China mit der Massenproduktion eigener Lithografie-Anlagen für die Chipfertigung begonnen habe.

Trotz des Rekordsprungs bleibt die Aktie 30 Tage betrachtet noch rund 33 Prozent im Minus. Südkoreanische Behörden beobachten die Hebelrisiken im Markt genau und prüfen schärfere Stabilisierungsmaßnahmen — darunter die Aktivierung des staatlichen Marktstabilisierungsfonds und ein mögliches Leerverkaufsverbot. Ob der Freitagssprung tatsächlich eine Trendwende einläutet oder nur eine weitere Episode in einem zunehmend volatilen KI-Zyklus bleibt, dürfte sich erst in den kommenden Handelswochen zeigen.

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