SK Hynix Aktie: 29,95-Prozent-Sprung auf Tageslimit

SK Hynix verzeichnet historischen Kurssprung von 30 Prozent, angetrieben durch starke US-Technologiezahlen. Analysten bleiben trotz hoher Volatilität optimistisch.

Auf einen Blick:
  • Aktie erreicht Tageslimit erstmals seit 2009
  • Microsoft und Amazon lösen Rally aus
  • Chey Tae-won kauft Aktien im Wert von 4,9 Milliarden Won
  • UBS startet mit Kaufempfehlung und Kursziel 204 Dollar

Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK Hynix hat am heutigen Freitag einen der größten Kurssprünge seiner Geschichte hingelegt. Die Aktie schnellte um 29,95 Prozent auf 1.718.000 Won nach oben und erreichte damit erstmals seit 2009 ihr Tageslimit. Der Sprung markiert eine massive Erholung von den Verlusten der vergangenen Handelstage, bleibt aber weit unter dem bisherigen Rekordhoch: Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 2.987.000 Won beträgt weiterhin 42,48 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 2,33 Prozent, über 30 Tage sogar von 32,89 Prozent – ein Beleg für die enorme Achterbahnfahrt der vergangenen Woche.

Ausgelöst wurde die Rally durch überraschend starke Quartalszahlen von Microsoft und Amazon, die neue Zweifel an der Tragfähigkeit der KI-Investitionswelle zerstreuten. Der Philadelphia Semiconductor Index legte kräftig zu, an der Seouler Börse sprang der Leitindex Kospi um 17,91 Prozent auf 6.595,45 Punkte – der größte Tagesgewinn seiner Geschichte. Ausländische Investoren kauften netto rund 7,24 Billionen Won, während private Anleger per saldo verkauften. Die Handelsaufsicht KRX aktivierte wegen des rasanten Anstiegs kurzzeitig sogar einen Buy-Side-Sidecar für den Kospi.

Rekordgewinn traf zunächst auf Enttäuschung

Der plötzliche Kursschub kommt nur wenige Tage nach einem heftigen Einbruch. SK Hynix hatte für das zweite Quartal einen operativen Gewinn von 60,5 Billionen Won gemeldet, ein Plus von 557 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Umsatz von 79,3 Billionen Won (plus 257 Prozent). Der Nettogewinn kletterte auf 93,9 Billionen Won, getrieben auch durch einen Veräußerungsgewinn aus dem Verkauf der Kioxia-Beteiligung. Trotz dieser Rekordwerte verfehlte das Unternehmen die Konsensschätzung von 64,2 Billionen Won beim operativen Gewinn – die Aktie brach daraufhin am Mittwoch um 9,6 Prozent ein, der Kospi verlor 12,6 Prozent, der Handel wurde für 20 Minuten ausgesetzt.

In dieser angespannten Phase griff SK-Group-Chef Chey Tae-won erstmals persönlich zu. Am Donnerstag kaufte er 3.620 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 1.353.677 Won, was einem Volumen von rund 4,9 Milliarden Won entspricht – bewusst knapp unterhalb der Meldeschwelle von 5 Milliarden Won, die eine 30-tägige Vorabankündigung erfordert hätte. Die SK Group bezeichnete den Schritt als Ausdruck „verantwortungsvoller Unternehmensführung“. Chey selbst begründete den Kauf mit langfristigem Vertrauen in den Speichermarkt: Die Nachfrage nach Speicherchips werde weiter bestehen, der langfristige Trend zeige nach oben, ließ er laut der Herald Business verlauten. Durch die Kursrally binnen eines Tages verzeichnete Chey rechnerisch bereits einen Buchgewinn im Bereich von über einer Milliarde Won.

Analysten bleiben trotz Volatilität optimistisch

Die US-Bank UBS nahm die Bewertung von SK Hynix mit einer Kaufempfehlung auf, Analyst Nicolas Gaudois nennt ein Kursziel von 204 US-Dollar für die in New York gehandelten Anteile und begründet dies mit einer erwarteten DRAM-Bit-Nachfrage von plus 22 Prozent im laufenden und plus 36 Prozent im kommenden Jahr. Barclays senkte sein Kursziel zwar von 330 auf 300 US-Dollar, bestätigte aber ebenfalls die Kaufeinstufung. Der Marktkonsens liegt im Bereich einer moderaten Kaufempfehlung. Das Unternehmen hat unterdessen zehn langfristige Lieferverträge unterschrieben, die Investitionen für das laufende Jahr um 50 Prozent auf gut 45 Billionen Won erhöht und mit dem Massenversand von HBM4-Speicherchips begonnen.

Nicht alle Stimmen sind ungeteilt euphorisch. Marktbeobachter warnen vor kurzfristigem Short-Covering statt einer nachhaltigen Trendwende, zumal die annualisierte 30-Tage-Volatilität der Aktie bei über 150 Prozent liegt und der RSI mit 44,7 auf eine noch unentschiedene Marktstimmung hindeutet. Zusätzlichen Druck erzeugt der chinesische Konkurrent CXMT, der seinen Weltmarktanteil bei DRAM-Speicherchips binnen eines Jahres von drei auf acht Prozent steigerte und nach einem Börsengang frisches Kapital für den Kapazitätsausbau einsammelte. Die Technologielücke zu SK Hynix und Samsung wird jedoch weiterhin auf drei bis vier Jahre geschätzt, bei HBM-Speicherchips hält SK Hynix einen Marktanteil von 58 Prozent.

Lohnstruktur soll flexibler werden

Parallel zur Kursrally verhandelt SK Hynix mit der eigenen Gewerkschaft über eine Reform des Vergütungssystems. Der Konzern schlägt vor, Gehälter in verlustreichen Jahren temporär anpassen zu können und die Methode der Bonuszahlungen zu ändern. Angesichts eines angepeilten jährlichen operativen Gewinns von umgerechnet rund 170 Milliarden US-Dollar soll zugleich der Bonuspool ausgeweitet werden. Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob der aktuelle Kurssprung ein nachhaltiges Signal für die KI-Speicherchip-Nachfrage ist oder in erster Linie eine technische Reaktion auf die vorangegangene Ausverkaufswelle.

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