29 Milliarden Dollar schwer, historisch und diese Woche fällig: SK Hynix bringt sein Nasdaq-Listing an den Start. Die Aktie des Speicherchip-Herstellers hat seit Jahresanfang 256 Prozent zugelegt, notiert aber 19 Prozent unter ihrem Rekordhoch vom 25. Juni. Im Zentrum der Debatte steht eine hartnäckige Bewertungslücke zum US-Rivalen Micron.
SK Hynix schloss am Freitag bei 2.425.000 Won. Das liegt 16 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 2.069.960 Won, aber deutlich unter dem Juni-Hoch von 2.987.000 Won. Der RSI von 51,2 signalisiert nach dem Rücksetzer weder Über- noch Unterverkauf. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 114 Prozent zeigt, wie stark die Aktie im Vorfeld des US-Listings schwankt.
Bewertungsrabatt trotz KI-Führung
SK Hynix handelt zum 6,2-Fachen der für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne. Micron kommt auf das 7-Fache, nachdem die eigene Aktie vergangene Woche um 14 Prozent eingebrochen war. Das Nasdaq-Listing am 10. Juli soll diesen Abstand verkleinern.
Ein Portfoliomanager von Thornburg Investment Management, der SK-Hynix-Aktien hält, bringt es auf den Punkt: Das Angebot richte sich an Investoren, die bisher keinen Zugang zum koreanischen Aktienmarkt haben. Es biete direkten, reibungslosen Zugriff auf einen der überzeugendsten Pure-Plays im KI-Speicherzyklus.
Der Vergleich mit Micron zeigt die Dimension des Booms. Beide Aktien haben binnen zwölf Monaten rund 700 Prozent gewonnen. Beide Unternehmen überschreiten inzwischen die Marke von einer Billion Dollar Marktkapitalisierung.
Analysten verweisen auf Wachstumskurs
Die Gewinnprognosen hinter der Bewertungsdebatte sind beeindruckend. SK Hynix soll 2026 einen Nettogewinn von 221 Billionen Won erzielen, umgerechnet 144 Milliarden Dollar. Der Umsatz soll auf 355 Billionen Won steigen, das sind 231 Milliarden Dollar. Beide Werte liegen weit über dem Niveau von 2025 – der Gewinn um 415 Prozent, der Umsatz um 265 Prozent.
Micron rechnet für das laufende Geschäftsjahr, das am 31. August endet, mit einem Gewinnsprung von 876 Prozent auf etwa 83 Milliarden Dollar. Der Umsatz soll um 247 Prozent auf 130 Milliarden Dollar klettern.
Ein Effekt könnte die Bewertungslücke zusätzlich schließen: Das Listing verschafft SK Hynix Zugang zu US-Aktienindizes. Passiv verwaltete ETFs wie der Invesco QQQ Trust mit einem Anlagevolumen von 482 Milliarden Dollar müssten dann kaufen. Wall-Street-Optimisten spekulieren zudem auf eine spätere Aufnahme in den Nasdaq 100.
Kapazitätsausbau bringt Risiko ins Bild
Die Ausbaupläne des Unternehmens komplizieren die einfache Aufwertungsstory. SK Hynix plant, mehrere hundert Milliarden Dollar in zwei neue Fabriken in Südkorea zu investieren. Rivale Samsung Electronics verfolgt ähnliche Pläne. Das Kapitalmarktangebot soll diese Investitionen mitfinanzieren.
Mehr Kapazität bedeutet aber auch ein größeres Risiko für ein Überangebot, sollte die Nachfrage nachlassen. Die Speicherbranche ist für ihre Boom-Bust-Zyklen berüchtigt. Erst vor drei Jahren schrieben sowohl Micron als auch SK Hynix rote Zahlen, weil eine Nachfrageflaute die Chippreise einbrechen ließ.
Marktstrategen erwarten zudem Arbitrage-Handel, sobald die ADRs starten. Hedgefonds dürften versuchen, Bewertungsunterschiede zwischen den Nasdaq-notierten ADRs und den in Seoul gehandelten Aktien auszunutzen. Dieses Muster war bereits bei früheren Angeboten von Alibaba und Taiwan Semiconductor Manufacturing zu beobachten.
Das 29-Milliarden-Dollar-Angebot wird diese Woche gepreist. Ob der breitere Zugang zu US-Kapitalmärkten die Bewertungslücke zu Micron tatsächlich schließt, entscheidet sich in den ersten Handelstagen an der Nasdaq.
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