Während die SK-Hynix-Aktie in Seoul binnen sieben Tagen fast elf Prozent verliert, reißen sich institutionelle Investoren um die Nasdaq-Erstnotiz des Chipkonzerns. Die Order-Bücher für das ADR-Angebot im Volumen von 28 Milliarden Dollar schlossen bereits am Mittwochnachmittag vorzeitig um 16 Uhr New Yorker Zeit. Der Grund: mehrfache Überzeichnung.
Der koreanische Speicherchip-Hersteller bringt 177,9 Millionen American Depositary Receipts an die Nasdaq. Das entspricht rund 2,5 Prozent der Marktkapitalisierung. Bei einem Marketing-Call am 6. Juli meldeten sich über 1.000 institutionelle Investoren.
Institutionelles Interesse trotzt Kurssturz in der Heimat
Namhafte Ankerinvestoren wollen kräftig zugreifen. Baillie Gifford, Coatue Management und Situational Awareness Partners haben Interesse an Anteilen im Wert von bis zu 7 Milliarden Dollar signalisiert. Diese Nachfrage entsteht ausgerechnet in einer Phase heftiger Kursturbulenzen in Südkorea.
Die Aktie schloss am Dienstag bei 2.201.000 Won. Allein im Juli hat das Papier rund 17 Prozent gegenüber seinem Rekordhoch verloren, das am 25. Juni bei knapp 2,99 Millionen Won lag. Der Kurs notiert damit gut 23 Prozent unter diesem Höchststand — bleibt aber seit Jahresbeginn mit einem Plus von 237 Prozent einer der stärksten Werte am koreanischen Markt.
Treiber dieser Rally ist die Marktmacht von SK Hynix bei High Bandwidth Memory. In diesem Segment, das für KI-Beschleuniger zentral ist, hält der Konzern schätzungsweise 60 Prozent Marktanteil.
Frisches Kapital für die HBM4-Produktion
Der Erlös aus dem Nasdaq-Listing fließt direkt in den Ausbau der Kapazitäten. SK Hynix plant rund 45,5 Billionen Won für Fabriken im eigenen Land ein, konkret für den Halbleiter-Cluster Yongin und die Packaging-Linien in Cheongju. Weitere 11,9 Billionen Won sind für den Kauf von EUV-Lithografiesystemen des Ausrüsters ASML reserviert — nötig für die Massenproduktion von HBM4, die Anfang 2026 anlaufen soll.
Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 stützen diesen expansiven Kurs. Der Umsatz stieg um 198 Prozent auf 52,58 Billionen Won, der operative Gewinn kletterte auf 37,61 Billionen Won. Analysten erwarten zudem einen Nebeneffekt der US-Notierung: Sie könnte den sogenannten Access-Discount abbauen, der auf koreanisch gelisteten Aktien oft lastet, und den ADRs einen Bewertungsaufschlag ähnlich anderer großer Chipwerte verschaffen.
Regulierer schauen genau hin
Der Weg zum Nasdaq-Debüt verlief in Korea alles andere als ruhig. Am 7. Juli löste ein breiter Ausverkauf im Halbleitersektor an einem als „Schwarzer Dienstag“ bekannt gewordenen Handelstag Circuit Breaker im koreanischen Leitindex KOSPI aus. Einen Tag später brach der gehebelte KODEX-SK-Hynix-Leverage-ETF um 12,56 Prozent ein.
Südkoreas Finanzminister Koo Yun-cheol und der Chef der Finanzaufsicht FSS, Lee Chan-jin, warnten daraufhin öffentlich vor übermäßigen Wetten mit gehebelten Aktienprodukten. Die FSS beobachtet aktuell die Kreditvolumina für Aktienkäufe, die im Juni auf 37,3 Billionen Won gestiegen sind. Die Behörde prüft zusätzliche Maßnahmen, um die Nebenwirkungen einzelner gehebelter Produkte einzudämmen.
Die finale Preisfestsetzung für die SK-Hynix-ADRs ist für den Nachmittag des 9. Juli in New York angesetzt. Ab Freitag, dem 10. Juli, notieren die Papiere unter dem Kürzel „SKHY“ an der Nasdaq. Jedes ADR bildet ein Zehntel einer Stammaktie ab — ein Kurs von rund 150 Dollar je Titel gilt als wahrscheinlich.
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