SK Hynix hat am Freitag eine der größten Investitionsentscheidungen der Firmengeschichte getroffen. Der Vorstand billigte den Bau zweier neuer Halbleiterfabriken mit einem Gesamtvolumen von 54,3 Billionen Won, umgerechnet rund 38,3 Milliarden Dollar. Die Anlage „Y2″ im südkoreanischen Yongin soll 35,2 Billionen Won kosten, das Werk „M17″ im nahen Cheongju weitere 19,1 Billionen Won. Beide Standorte sollen die Produktionskapazität für die von Künstlicher Intelligenz getriebene Speichernachfrage bis 2031 absichern.
Nach Angaben des Managements soll der Spatenstich für Y2 im Juli 2027 erfolgen, der erste Reinraum ist für Juni 2029 geplant. Dort will SK Hynix High Bandwidth Memory sowie DRAM der nächsten Generation fertigen. Der Zeitplan zeigt, wie sehr der Konzern auf einen mehrjährigen Nachfragezyklus für KI-Speicherchips setzt, statt kurzfristig auf schwankende Preise zu reagieren.
Rekordquartal treibt die Investitionsoffensive
Die Ausbaupläne fallen in eine Phase außergewöhnlicher Geschäftszahlen. Für das zweite Quartal 2026 meldete SK Hynix einen Umsatz von 79,32 Billionen Won, ein Plus von 257 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der operative Gewinn kletterte auf 60,54 Billionen Won und damit um 557 Prozent, die operative Marge erreichte mit 76 Prozent einen Rekordwert. Zeitgleich bestätigte der Konzern, dass die sechste HBM-Generation HBM4 im zweiten Quartal in die Massenfertigung ging; die Volumenproduktion soll in der zweiten Jahreshälfte hochlaufen.
Um dieses Tempo zu halten, kündigte SK Hynix zudem an, das Investitionsbudget für 2026 um die Hälfte auf mindestens 45 Billionen Won aufzustocken. Medienberichten zufolge dient das zusätzliche Kapital vor allem der schnelleren Fertigung von HBM4-Chips. Nach Angaben des Managements liegen inzwischen langfristige Lieferverträge mit rund zehn globalen Kunden vor, die die Kapazitätsauslastung bis 2027 sichern sollen. Ergänzend stellte SK Hynix zusammen mit Sandisk die ersten Standardspezifikationen für „High Bandwidth Flash“ vor, eine neue Speichertechnologie, die die Lücke zwischen HBM und SSDs in KI-Infrastrukturen schließen soll.
Analysten uneinig über die richtige Bewertung
Die Investitionsnachrichten trafen auf eine Welle neuer Analyseeinschätzungen. Rosenblatt Securities nahm die Coverage am 4. August mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 320 Dollar auf – dem höchsten Zielwert unter den jüngsten Einschätzungen. Fünf weitere US-Analysehäuser starteten in derselben Woche ebenfalls mit positiven Voten und Kurszielen zwischen 200 und 300 Dollar. Vorsichtiger äußerte sich Barclays: Der Analyst senkte das Kursziel am 30. Juli von 330 auf 300 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Overweight“. Die Spannbreite der Einschätzungen zeigt, dass der Markt die künftige Preisentwicklung bei Speicherchips trotz der aktuellen Rekordmargen unterschiedlich beurteilt.
Kurs korrigiert deutlich von den Höchstständen
An der Börse hat die Aktie zuletzt deutlich Federn gelassen. Am Freitag schloss das Papier bei 1.422.000 Won, ein Minus von 4,88 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen 30 Handelstage summiert sich der Rückgang auf 31,50 Prozent. Die Korrektur folgt auf eine außergewöhnliche Kursrallye der vorangegangenen Monate und fällt zeitlich mit den milliardenschweren Investitionsankündigungen sowie der breiten Diskussion über künftige Speicherpreise zusammen. Anleger werden die nächste Standortbestimmung erst mit den für den 27. Oktober erwarteten Quartalszahlen erhalten – bis dahin dürfte der Markt zwischen den Rekordgewinnen der Gegenwart und den milliardenschweren Wetten auf die KI-Nachfrage der kommenden Jahre schwanken.
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