Juli – mitten in einer der turbulentesten Phasen der Unternehmensgeschichte. Während der südkoreanische Speicherchiphersteller operativ von einem Rekord zum nächsten eilt, ist die Aktie binnen weniger Wochen unter massiven Verkaufsdruck geraten. Am Montag verlor das Papier 4,23 Prozent und schloss bei 1.764.000 Won. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 171,51 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch vom 25. Juni fehlen mittlerweile 40,94 Prozent.
Chairman warnt vor „abnormalen“ Preisen, CEO sieht Engpass 2027
SK-Group-Chairman Chey Tae-won ordnete die Lage Ende letzter Woche selbst ein: Die aktuellen Speicherpreise seien „abnormal hoch“ und sollten sich wieder normalisieren, sagte er. Zugleich rechnet er damit, dass die Nachfrage nach KI-Halbleitern 2027 gegenüber 2026 um 60 bis 100 Prozent steigt, der breitere Speichermarkt um 50 bis 60 Prozent. Chey warnte ausdrücklich davor, das Angebot künstlich zu drosseln, und kündigte Kapazitätsausbauten in Yongin, Honam und den USA an. SK-Hynix-CEO Kwak Noh-jung geht laut den zitierten Aussagen sogar von der schlimmsten Angebotsknappheit erwartet für 2027 aus. Chey deutete zudem an, dass sich Engpässe künftig von den Chips selbst auf Stromkabel, Elektroausrüstung und Rohstoffe verlagern könnten.
Fundamental steht SK Hynix so gut da wie nie: Im Geschäftsjahr 2025 übertraf der Konzern mit einem operativen Gewinn von 47,2 Billionen Won erstmals Samsung Electronics, das auf 43,6 Billionen Won kam. Im HBM-Segment, den Speicherchips für KI-Beschleuniger, hält SK Hynix je nach Quelle zwischen 58 und 61 Prozent Marktanteil – deutlich vor Samsung und Micron, die sich die verbleibenden Anteile teilen. Kurzzeitig hatte SK Hynix nach einer Rally von mehr als 300 Prozent im laufenden Jahr sogar Samsung beim Börsenwert überholt.
ADR-Euphorie kippt in Zwangsliquidationen
Die eigentliche Belastung für den Kurs kam jedoch nicht aus dem operativen Geschäft, sondern aus der Handelsdynamik rund um das Nasdaq-Debüt. SK Hynix hatte über ein ADR-Angebot zu 149 Dollar je Aktie mehr als 26 Milliarden Dollar eingesammelt, die Zeichnungsquote lag beim Siebenfachen. Nach einem fulminanten Debüt mit rund 12 Prozent Kursgewinn brach die Aktie am 13. Juli in Seoul um 15 Prozent ein – der größte Tagesverlust seit rund 20 Jahren – während die ADR in den USA um 7,9 Prozent auf 154,70 Dollar nachgab. Die Kospi-Börse musste den Handel zeitweise aussetzen. Die Prämie der ADR gegenüber der Seouler Notierung weitete sich zwischenzeitlich auf rund 50 Prozent aus, was SK-Chairman Chey mit einem später gelöschten Instagram-Post zum Nasdaq-Ticker zusätzlich befeuerte.
Für private Anleger in Südkorea entwickelte sich die Volatilität zur Falle. Seit dem 27. Mai hatten sie umgerechnet rund 9,5 Milliarden Dollar in gehebelte ETFs auf Samsung und SK Hynix gesteckt. Der KODEX SK Hynix 2x Leverage ETF verlor seither rund 70 Prozent seines Werts vom Juni-Hoch. Landesweit gerieten mehr als eine Million Depots in Nachschusspflicht, zwischen 320.000 und 360.000 Konten wurden vollständig liquidiert. Die Aufsicht reagierte mit strengeren Margin-Vorgaben für Hebelprodukte auf Einzelaktien; allein am ersten Tag der neuen Regeln wurden in den 16 betroffenen Produkten umgerechnet 8,6 Milliarden Dollar umgesetzt. Der Gesamtmarkt blieb davon nicht verschont: Der Kospi war am 20. Juli um 4,5 Prozent auf 6.516,28 Punkte gefallen und damit erstmals mehr als 25 Prozent unter sein Juni-Hoch gerutscht – definitionsgemäß ein Bärenmarkt.
Big-Tech-Zahlen als nächster Prüfstein
Kurzfristig dürfte der Kurs stark an den Ergebnissen der großen US-Techkonzerne hängen. Alphabet berichtet am 22. Juli, Microsoft und Meta folgen am 29. Juli, Amazon am 30. Juli. Hana Securities beziffert die mögliche Reaktion: Übertrifft Alphabet die Erwartungen, dürften SK Hynix im Schnitt der folgenden vier Wochen um 17 Prozent zulegen, Samsung um 11 Prozent. Enttäuschen die Zahlen, drohen SK Hynix rund 3 Prozent Verlust. Die vier großen Hyperscaler planen für 2026 zusammen Investitionen von rund 725 Milliarden Dollar, für 2027 werden bereits knapp 900 Milliarden Dollar veranschlagt.
Zusätzlichen Druck könnte der chinesische Speicherhersteller CXMT aufbauen, der am 24. Juli an der Shanghaier Star-Market-Börse debütieren und dabei rund 8,6 Milliarden Dollar einsammeln will – nach Angaben aus dem Marktumfeld die größte asiatische Neuemission des Jahres. CXMT hat seinen Anteil am DRAM-Markt binnen eines Quartals von 3 auf 8 Prozent gesteigert. Für SK Hynix bleibt damit die Gleichung bestehen: operativ so stark wie selten, kursseitig so nervös wie lange nicht.
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