Der südkoreanische Aktienmarkt erlebt am heutigen Dienstag seinen schwärzesten Handelstag seit Monaten – und SK Hynix steht mitten im Sturm. Der Leitindex Kospi löste am Vormittag gleich mehrmals Sicherungsmechanismen aus: Zunächst griffen die sogenannten Sell-Sidecars, kurz darauf setzte die Börse einen Circuit Breaker in Kraft. Yonhap berichtete von einem Kospi-Einbruch von zeitweise mehr als 8 Prozent. SK Hynix verlor im Verlauf des Vormittags zeitweise über 11 Prozent und rutschte damit noch tiefer als der Gesamtmarkt.
Der aktuelle Kurs von 1.569.000 Won spiegelt die Wucht der Verkaufswelle wider: Verglichen mit dem Schlussstand vom Montag bricht das Papier um 13,60 Prozent ein. Vom Rekordhoch aus Ende Juni trennen die Aktie mittlerweile 47,47 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 36,5 signalisiert eine überverkaufte Situation, was einigen Marktbeobachtern zufolge das Ausmaß der Reaktion relativiert.
Chinesische Konkurrenz und US-Chipschwäche als Auslöser
Ausgelöst wurde der Ausverkauf durch eine Mischung aus geopolitischen und branchenspezifischen Sorgen. Berichte über Fortschritte Chinas bei der heimischen Entwicklung von DUV-Lithografietechnik schürten Ängste vor wachsender Konkurrenz aus Fernost. Verstärkt wurde die Nervosität durch den Börsengang des chinesischen Speicherchipherstellers CXMT, dessen Aktie am Shanghaier STAR Market laut CNBC um 466 Prozent zulegte – ein Signal, das Investoren als Bedrohung für die Preismacht der etablierten Speicherhersteller werteten. Hinzu kam Schwäche bei US-Halbleiterwerten: Nvidia und ASML hatten bereits am Vortag mit Kursverlusten von rund 5 Prozent vorgegeben.
CNBC verweist zudem auf eine strukturelle Besonderheit des koreanischen Marktes: Die 60-Tage-Korrelation zwischen Kospi und Nasdaq 100 liegt derzeit bei rund 0,50 und damit so hoch wie zuletzt 2021. Samsung Electronics und SK Hynix zusammen stellen mehr als die Hälfte der Kospi-Gewichtung, was den Index besonders anfällig für Stimmungsschwankungen aus dem US-Techsektor macht. Speicherchips für Rechenzentren machen laut CNBC mehr als die Hälfte der globalen DRAM-Nachfrage aus – ein Umstand, der SK Hynix eng an das Schicksal der KI-Investitionswelle bindet.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur jüngeren Nachrichtenlage: Erst kürzlich hatte Nvidia mit der SK Group eine milliardenschwere Kooperation für KI-Fabriken in Korea besiegelt, in deren Rahmen SK Hynix HBM4-Speicherchips liefern soll. Dass der Kurs trotz dieser strategischen Partnerschaft nun so deutlich nachgibt, zeigt, wie stark kurzfristige Konkurrenzängste und die allgemeine Nervosität rund um KI-Investitionen die fundamentale Story überlagern.
Quartalszahlen am Mittwoch im Fokus
Ausgerechnet in diese Turbulenzen fällt die Vorlage der Quartalszahlen: SK Hynix meldet die Ergebnisse für das zweite Quartal am morgigen Mittwoch. Yonhap berichtete vor dem Kurseinbruch von Konsensschätzungen, die einen Umsatz von rund 84 Billionen Won erwarten – nach Angaben des Wirtschaftsmediums The Edge Singapore würde dies einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr entsprechen. Auch der operative Gewinn soll den Erwartungen zufolge deutlich zulegen, konkrete Zahlen bleiben aber Prognosen bis zur offiziellen Veröffentlichung.
The Edge Singapore ordnet den jüngsten Ausverkauf in einen größeren Kontext ein: Trotz der erwarteten starken Geschäftsentwicklung notiert SK Hynix demnach unter dem Vierfachen der für die kommenden zwölf Monate geschätzten Gewinne – ein historisch niedriges Bewertungsniveau für den Speicherchiphersteller. Sorgen um Preisdruck bei Speicherchips, die Verschuldung im Zuge der KI-Investitionswelle und eben die aufkommende chinesische Konkurrenz belasten die Bewertung trotz starker operativer Aussichten.
Marktteilnehmer, die Yonhap zitiert, bezeichneten den Kurseinbruch als überzogen gemessen an der fundamentalen Verfassung des Unternehmens. Ob sich diese Einschätzung bestätigt, dürfte sich bereits am morgigen Mittwoch zeigen, wenn SK Hynix mit den Zahlen selbst Klarheit über die tatsächliche Geschäftsentwicklung schafft. Bis dahin bleibt der Aktienkurs Spielball der Nervosität rund um die globale Chip- und KI-Branche.
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