Sivers Semiconductors rutscht in eine Stille-Phase. Und diese Stille kommt nach einem Sommer voller Lärm.
Seit Ende Juli 2026 gilt für den schwedischen Chip- und Photonik-Hersteller die sogenannte Closed Period. In dieser Zeit dürfen Insider keine Aktien handeln. Die Regel greift vor jedem Quartalsbericht — der nächste folgt im August 2026 für das zweite Quartal.
Kurz vor dem Handelsverbot zeigte sich ein deutlicher Bruch zwischen den Führungskräften des Unternehmens.
Der CEO kauft, der Chairman verkauft
CEO Vickram Vathulya griff in den letzten Tagen vor der Blackout-Phase noch einmal zu. Er kaufte 70.000 zusätzliche Aktien am freien Markt. Damit hält er nun 4.540.076 Aktien, ergänzt durch 3,7 Millionen Mitarbeiteraktienoptionen.
Andere Vorstandsmitglieder sahen das offenbar anders. Nach Ablauf einer Lock-up-Frist Mitte Juli 2026 verkaufte Chairman Bami Bastani 275.000 Aktien und übertrug weitere 130.000 als Schenkung. Vorstandsmitglied Todd Thomson reduzierte über seine Gesellschaft Headwaters Capital LLC seine Position um 950.000 Aktien.
Diese Transaktionen folgten kurz auf eine große Kapitalerhöhung. Anfang Sommer sammelte Sivers rund 700 Millionen Kronen bei einem Ausgabepreis von 57 Kronen pro Aktie ein.
Der Weg zur Doppelnotierung in New York
Der Zeitpunkt der aktuellen Stille-Phase ist kein Zufall. Sivers bereitet eine zusätzliche Notierung an der Nasdaq in New York vor.
Dafür hat das Unternehmen seinen Berichtskalender angepasst. Ziel ist ein sogenanntes Audit Uplift — die Anpassung der konsolidierten Abschlüsse an die Standards des US-Aufsichtsgremiums PCAOB. Diese Anpassung gilt als Voraussetzung für die angestrebte US-Notierung.
Das Management begründet die veränderten Berichtsstandards mit den Anforderungen internationaler institutioneller Investoren. Der Quartalsbericht im August wird die erste größere Veröffentlichung nach diesen strukturellen Anpassungen.
Kurs im freien Fall, aber erste Gegensignale
Der Absturz der Aktie fällt brutal aus. Binnen 30 Tagen verlor das Papier 52,94 Prozent und steht aktuell bei 2,81 Euro. Damit liegt der Kurs 72,51 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, das Anfang Juni 2026 erreicht wurde.
Ausgelöst wurde der Ausverkauf maßgeblich durch den Ablauf der Lock-up-Vereinbarungen am 16. Juli. Insider und Frühinvestoren konnten ihre Positionen erstmals liquidieren — und taten es offenbar in großem Stil.
Es gibt aber auch ein Gegengewicht zu den schweren Verlusten. Der Shortseller Voleon hat seine Netto-Shortposition inzwischen unter die Meldeschwelle von 0,5 Prozent gesenkt. Zusammen mit dem Aktienkauf des CEO ergibt sich daraus ein vorsichtiges Gegennarrativ zu den Verlusten dieses Sommers.
Während die Stille-Phase läuft, richtet sich der Blick der Investoren auf das operative Geschäft. Die Photonik- und Funksparten von Sivers zielen auf wachstumsstarke Bereiche wie KI-Rechenzentren und Satellitenkommunikation. Mehrere Produktionshochläufe sollen im kommenden Geschäftsjahr stärker zum Umsatz beitragen — der Quartalsbericht im August wird zeigen, ob sich diese Erwartung bereits in den Zahlen niederschlägt.
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