Der Vorstandschef kauft zu, der Aufsichtsratschef verkauft. Bei Sivers Semiconductors zeigt sich dieser Widerspruch ausgerechnet in dem Moment, in dem eine dreimonatige Handelssperre für Insider ausläuft. Die Aktie reagiert mit einem der schärfsten Kurseinbrüche ihrer jüngeren Geschichte.
Am Freitag fiel das Papier des schwedischen Halbleiterunternehmens um 6,35 Prozent auf 2,83 Euro. Binnen sieben Tagen summiert sich der Rückgang auf 11,45 Prozent. Über einen Monat betrachtet hat die Aktie sogar 60,69 Prozent ihres Werts verloren.
Zwei Führungskräfte, zwei gegensätzliche Signale
Auslöser der Bewegung ist eine Lock-up-Vereinbarung, die am 16. Juli 2026 ausgelaufen ist. Der Vorstand hatte diese Sperrfrist im April im Zusammenhang mit einer gerichteten Aktienemission über umgerechnet rund 700 Millionen schwedische Kronen beschlossen. Erstmals seit drei Monaten durften Management und Aufsichtsrat danach wieder mit ihren Anteilen handeln.
Die Reaktionen fielen gegensätzlich aus. CEO Vickram Vathulya kaufte 70.000 zusätzliche Aktien und hält nun mehr als 4,5 Millionen Anteile. Aufsichtsratschef Bami Bastani ging den entgegengesetzten Weg: Er verkaufte am Tag des Lock-up-Endes 275.000 Aktien und übertrug einen weiteren Teil seiner Anteile per Schenkung.
Diese gegenläufigen Signale aus der Führungsetage verunsicherten den Markt. Bereits am Donnerstag brach die Aktie um 8,08 Prozent ein, bevor am Freitag der nächste Rückgang folgte.
Leerverkäufer ziehen sich zurück
Trotz des massiven Kursverfalls seit dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro Anfang Juni deutet sich eine Stabilisierung an. Der Anteil der Leerverkäufe ist zuletzt auf rund 2,76 Prozent gesunken. Ein Teil der Wetten gegen die Aktie dürfte nach der heftigen Bewertungskorrektur bereits glattgestellt worden sein.
Auch die Charttechnik signalisiert eine überverkaufte Lage. Der 14-Tage-RSI notiert bei 35,4 und nähert sich damit der klassischen Überverkauft-Schwelle von 30. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 5,95 Euro beträgt der Abstand mehr als 50 Prozent — ein Maß für die Schärfe der jüngsten Korrektur.
Schweigepflicht ab Dienstag
Wer auf weitere Insider-Signale hofft, muss sich gedulden. Ab dem 28. Juli 2026 gilt für Sivers Semiconductors eine 30-tägige Closed Period nach Artikel 19(11) der EU-Marktmissbrauchsverordnung. In dieser Zeit dürfen Personen mit Führungsverantwortung keine Transaktionen mit Unternehmenspapieren mehr durchführen.
Die nächste wichtige Nachricht liefert der Quartalsbericht. Sivers Semiconductors veröffentlicht die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 am 27. August vor Handelsbeginn an der Nasdaq Stockholm. Bis dahin dürfte sich der Kurs vor allem an der technischen Stabilisierung und der allgemeinen Stimmung im Photonik- und KI-Infrastruktursektor orientieren.
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