Halbiert in einem Monat. Sivers Semiconductors hat innerhalb von 30 Tagen rund die Hälfte seines Börsenwerts verloren. Am Mittwoch schloss die Aktie des schwedischen Photonik- und Funkchip-Herstellers bei 3,60 Euro.
Allein in der vergangenen Woche ging es um 18 Prozent nach unten. Der Kurs liegt jetzt fast 65 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, erreicht am 3. Juni. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 6,21 Euro klafft eine Lücke von 42 Prozent.
Der Sektor zieht Sivers mit nach unten
Der Kursverfall trifft Sivers inmitten eines breiten Ausverkaufs bei Halbleiteraktien. Samsung Electronics verlor zeitweise mehr als 7 Prozent, SK Hynix sank zum Handelsstart um über 9 Prozent. Beide Konzerne zusammen büßten Marktwert in Milliardenhöhe ein.
Auslöser war ein enttäuschendes Ergebnis von Samsung. Der Quartalsgewinn übertraf zwar Nvidia und Apple, blieb aber hinter den hohen Erwartungen an die KI-Nachfrage zurück. Die Aktie brach dennoch um 8 Prozent ein.
Zusätzlichen Druck bringt SK Hynix mit einem eigenen Kapitalmarkt-Ereignis. Der Chiphersteller plant für diesen Freitag den Börsengang an der Nasdaq und will dabei 28 Milliarden Dollar einsammeln. Es wäre die zweitgrößte Aktienplatzierung nach SpaceX. Marktbeobachter werten das Mega-Listing als Kapitalmagnet, der Investoren von kleineren Halbleiterwerten wie Sivers abzieht.
Zweifel an der Bilanz belasten zusätzlich
Neben dem Sektor-Gegenwind kämpft Sivers mit hausgemachten Problemen. Wirtschaftsprüfer äußern seit Wochen Zweifel an der Fortführungsfähigkeit des Unternehmens. Parallel dazu erheben Leerverkäufer Vorwürfe zur Bilanzierung der Umsatzerlöse.
Die Verunsicherung trifft auf eine bereits verwässerte Aktionärsbasis. Erst vor gut einer Woche wandelte Sivers ein Darlehen über 12 Millionen Dollar von Bootstrap Europe IV SCSp in neue Aktien um. Zeitgleich platzierte das Unternehmen eine gerichtete Kapitalerhöhung über rund 700 Millionen schwedische Kronen, mit einem Zeichnungspreis von 57 Kronen je Aktie.
Die Nachfrage danach war stark. Schwedische und internationale institutionelle Investoren zeichneten die Platzierung mehrfach überzeichnet. Trotzdem verkaufte der Markt die Aktie in den Tagen danach weiter scharf ab — Anleger gewichten die Verwässerung offenbar schwerer als die frische Nachfrage.
Lock-up der Insider läuft in einer Woche aus
Das Management versucht, mit Verkaufsverzicht Vertrauen zu schaffen. Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vickram Vathulya und CFO Heine Thorsgaard haben sich verpflichtet, bis zum 16. Juli 2026 keine Aktien zu verkaufen. Für die jüngste Kapitalerhöhung wurden keine zusätzlichen Lock-up-Vereinbarungen nötig, da die bestehenden weiterhin gelten.
Der Ablauf dieser Frist in genau einer Woche steht im Fokus der Anleger. Es wäre der erste Zeitpunkt, an dem Insider inmitten der anhaltenden Kursschwankungen frei verkaufen dürften.
Charttechnik bleibt angespannt
Der 14-Tage-RSI liegt bei 33,9 und nähert sich überverkauftem Terrain, ohne es bereits erreicht zu haben. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität schießt auf 219 Prozent — ein Wert, der das Ausmaß der jüngsten Kursausschläge unterstreicht.
Drei Termine dürften den weiteren Verlauf prägen: der Nasdaq-Börsengang von SK Hynix an diesem Freitag, der Ablauf der Insider-Lock-up-Frist am 16. Juli, und die Klärung der offenen Fragen der Wirtschaftsprüfer zur Fortführungsfähigkeit. Bis zum nächsten Quartalsbericht dürfte die Aktie empfindlich auf jede neue Nachricht reagieren — sowohl aus dem eigenen Haus als auch aus dem gesamten Halbleitersektor.
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