Neue Führung, keine Dividende, eine laufende Klageuntersuchung — Sivers Semiconductors hat seine Hauptversammlung vom 15. Juni mit einem vollen Programm abgeschlossen. Ausgerechnet jetzt untersucht eine US-Anwaltskanzlei mögliche Verstöße gegen Wertpapiergesetze.
Neuer Vorstand, angepasste Vergütung
Die Hauptversammlung in Stockholm bestätigte Bami Bastani als Aufsichtsratsvorsitzenden. Joakim Nideborn wurde neu als stellvertretender Vorsitzender gewählt. Helena Svancar trat ebenfalls neu in den Aufsichtsrat ein. Karin Raj und Todd Thomson wurden wiedergewählt.
Die Vergütungsstruktur erhält eine Aktienkomponente. Jedes Mitglied bekommt eine Million Schwedische Kronen, davon fließen rund 50 Prozent in den Kauf von Sivers-Aktien. Diese Anteile unterliegen einer einjährigen Haltefrist. Der Vorsitzende erhält ein Jahreshonorar von 1,05 Millionen Kronen, der stellvertretende Vorsitzende 600.000 Kronen, alle übrigen Mitglieder je 350.000 Kronen.
Incentive-Programme vertagt, Dividende gestrichen
Drei Tagesordnungspunkte zu Mitarbeiter-Incentiveprogrammen zog der Vorstand kurzfristig zurück. Die neu gewählten Mitglieder sollen zunächst eigene Vorschläge einbringen. Ein überarbeitetes Programm soll auf einer späteren Hauptversammlung zur Abstimmung kommen.
Für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen die Aktionäre, keine Dividende auszuschütten. Das Kapital soll stattdessen in den Ausbau des Geschäfts mit KI-Rechenzentren und Satellitenkommunikation fließen.
Leerverkäufer-Bericht zieht Klageuntersuchung nach sich
Parallel zur Hauptversammlung gab die US-Kanzlei Bronstein, Gewirtz & Grossman bekannt, mögliche Ansprüche von Sivers-Investoren zu prüfen. Auslöser ist ein Bericht des Leerverkäufers Ningi Research vom 1. Juni. Darin erhob Ningi Vorwürfe wegen fragwürdiger Umsatzbuchungen und zweifelhafter Kundenverträge. Außerdem sprach der Bericht von einer erfundenen Engpassstrategie und spekulativen Beziehungen zu Hyperscalern.
Seit Veröffentlichung dieser Vorwürfe schwankt der Kurs extrem. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität übersteigt 240 Prozent. Anfang Juni erreichte die Aktie noch ein 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro. Zuletzt pendelte sie zwischen 7,55 und 7,95 Euro.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Die Prüfungsarbeiten zur Angleichung der Abschlüsse an US-Standards nach PCAOB haben den Jahresbericht 2025 verzögert. Das Dokument ist Voraussetzung für die angestrebte Nasdaq-Notierung in New York. Am 6. August 2026 legt Sivers den Halbjahresbericht vor — das wird der nächste konkrete Datenpunkt sein, an dem Investoren die Substanz der Vorwürfe messen können.
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