Aktionäre von Sivers Semiconductors erleben derzeit eine ungewöhnliche Kombination: Während das Unternehmen operativ wachsendes Auftragspotenzial vermeldet, trennen sich zentrale Führungspersonen von Aktienpaketen. Die Verkäufe fielen in eine Phase extremer Kursausschläge, die das Papier in den vergangenen Wochen geprägt haben.
Bami Bastani, Chairman des Board, verschenkte 60.000 Aktien an gemeinnützige Organisationen und übertrug weitere 70.000 Aktien an Familienmitglieder. Zusätzlich verkaufte er am 16. Juli 275.000 Aktien. Auch Headwaters Capital LLC, das Investmentvehikel von Todd Thomson, veräußerte bis zum 22. Juli 950.000 Aktien und schenkte 50.000 Aktien einer gemeinnützigen Organisation.
Sperrfrist lief im Juli aus
Die Transaktionen folgten auf das Auslaufen einer Lock-up-Vereinbarung für Board-Mitglieder und Management, die im Zusammenhang mit einer gerichteten Aktienemission vom 16. April vereinbart worden war.
Diese Sperrfrist endete am 16. Juli – just zu dem Zeitpunkt, als die Insider-Verkäufe begannen. Für Anleger ist das ein relevantes Signal: Wer nach Ablauf einer Haltefrist verkauft, tut dies oft, um Kursgewinne zu realisieren, nicht zwingend aus mangelndem Vertrauen ins Geschäft.
Und Kursgewinne gab es reichlich zu realisieren. Im zweiten Quartal war der Aktienkurs von 10,71 auf 63,15 schwedische Kronen gestiegen – eine Rally, die auch bilanziell Spuren hinterließ. Sie hatte den Konzern im jüngsten Zwischenbericht mit einer nicht zahlungswirksamen Sonderbelastung von 42,9 Millionen Kronen bei den Sozialabgaben belastet, verknüpft an aktienbasierte Vergütungen.
Operatives Bild bleibt gemischt
Der Zwischenbericht zum zweiten Quartal, gestern veröffentlicht, zeigte ein zweigeteiltes Bild. Die Produkterlöse legten um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, und die Auftragspipeline wuchs auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig sanken die Gesamterlöse um 12 Prozent auf 53,8 Millionen Kronen, während das bereinigte EBITDA auf minus 35,5 Millionen Kronen fiel.
Parallel zur Berichtsvorlage meldete Sivers ein neues Entwicklungsprogramm mit SemiNex Corporation im Volumen von 3,4 Millionen US-Dollar für Lichtquellen der nächsten Generation auf Indiumphosphid-Basis, die in KI-Rechenzentren zum Einsatz kommen sollen. Zudem übte Bootstrap Europe im Rahmen der laufenden Fremdfinanzierung sämtliche Optionsscheine aus.
Der Aktienkurs notierte am Freitag bei 2,44 Euro und liegt damit rund 76 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde.
Zum 50-Tage-Durchschnitt von 3,94 Euro besteht ein Abstand von 38 Prozent nach unten – ein Hinweis darauf, wie stark sich die Handelsdynamik seit dem Kurshoch verändert hat.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein wachsendes Auftragsbuch trifft auf anhaltende Verluste, während Insider nach Ablauf ihrer Sperrfrist Kasse machen. Die Gesamtzahl der Aktien lag zum 31. Juli bei 355.081.317 Stück, was das aktuelle Kursniveau in Relation zur Marktkapitalisierung von knapp 941 Millionen Euro setzt.
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