Die Hauptversammlung von Sivers Semiconductors sollte reine Routine sein. Stattdessen erlebten Aktionäre ein beispielloses Führungschaos. Drei Aufsichtsräte traten unmittelbar vor der Abstimmung zurück. Ein geplantes US-Listing verschwand von der Agenda. Die Börse reagiert paradox. Die Aktie klettert am Mittwoch um fast sieben Prozent auf 9,07 Euro.
Das Umfeld für den schwedischen Photonik-Chiphersteller ist extrem angespannt. Staatsanwälte ermitteln wegen mutmaßlichen Insiderhandels. Ein Leerverkäufer greift die Umsatzverbuchung des Unternehmens an. Zu den Abgängen zählen Vize-Verwaltungsratschef Tomas Duffy sowie die Gründer Erik Fallström und Keith Halsey.
Dennoch kennt der Kurs nur eine Richtung. Auf Monatssicht hat sich der Wert mehr als verdoppelt. Seit dem Tiefststand von 0,27 Euro im März hat die Aktie eine historische Rallye hingelegt. Die Volatilität bleibt mit annualisiert 239 Prozent enorm hoch.
US-Listing verschoben, Kapital gesichert
Eigentlich sollten die Aktionäre am 15. Juni über ein Zweitlisting an der Nasdaq abstimmen. Dieser Schritt hätte 53,8 Millionen neue Aktien erfordert. Das entspricht einer Verwässerung von rund 15 Prozent. Dieser Tagesordnungspunkt schaffte es jedoch nicht zur Abstimmung.
Das Management sicherte sich aber einen Ausweg. Die Versammlung genehmigte ein allgemeines Mandat. Dieses erlaubt die Ausgabe exakt derselben Aktienanzahl. So erhält der neu formierte Vorstand finanzielle Flexibilität ohne sofortige Verwässerung. Bami Bastani bleibt Verwaltungsratschef. Joakim Nideborn rückt als sein neuer Stellvertreter auf.
Volle Auftragsbücher, rote Zahlen
Operativ zeigt das Unternehmen ein gemischtes Bild. Der Umsatz sank im ersten Quartal um 22 Prozent auf 61,9 Millionen Schwedische Kronen. Das bereinigte operative Ergebnis lag bei minus 13,8 Millionen Kronen. Das Management macht dafür verzögerte US-Verteidigungsbudgets und Währungseffekte verantwortlich.
Die Zukunftsperspektive sieht deutlich besser aus. Die Auftragspipeline wuchs seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen US-Dollar. Ein Meilenstein ist der Auftrag des britischen Satellitenunternehmens ALL.SPACE. Dieser bringt 8,2 Millionen Dollar ein. Er markiert den ersten echten Schritt in die Serienproduktion.
Teurer Weg an die Wall Street
Sivers bereitet sich weiter auf die Wall Street vor. Das Unternehmen stellte seine Finanzberichterstattung auf US-Standards um. Dieser teure Prozess deckte höhere historische Verluste auf. Der Nettoverlust für das vergangene Jahr stieg dadurch auf 222,6 Millionen Kronen.
Parallel dazu segnete die Hauptversammlung eine Wandelanleihe ab. Das Darlehen über rund 327.000 Dollar läuft bis Ende 2029. Es wird mit 10,85 Prozent verzinst. Die Maßnahme ergänzt eine frühere Refinanzierung aus diesem Jahr.
Der Weg für den US-Börsengang bleibt trotz der verschobenen Abstimmung offen. Das frische Kapital soll künftig die Expansion in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Photonik treiben. Konkrete Zahlen zur operativen Wende folgen im August. Dann legt Sivers Semiconductors den Bericht für das zweite Quartal vor.
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