Drei Ereignisse in zwei Wochen, ein Kurssturz von über 60 Prozent binnen 30 Tagen: Sivers Semiconductors durchlebt gerade eine der härtesten Phasen seiner Börsengeschichte. Der schwedische Photonik-Spezialist hat frisches Kapital aufgenommen, einen Kredit in Aktien umgewandelt und einen Lock-up auslaufen lassen. Alle drei Schritte drücken auf den Aktienkurs.
Drei Verwässerungen in schneller Folge
Am 1. Juli platzierte Sivers Aktien im Volumen von 700 Millionen schwedischen Kronen direkt bei ausgewählten Investoren. Das Unternehmen bezifferte die daraus resultierende Verwässerung für bestehende Aktionäre selbst auf rund 3,3 Prozent, voll verwässert gerechnet. Das Geld soll die Fertigungskapazität für Indiumphosphid-Laser und optische Verstärker ausbauen – Schlüsselkomponenten für den wachsenden Bedarf in KI-Rechenzentren und der Automobilbranche.
Zwei Tage später folgte der nächste Schritt. Der Kreditgeber Bootstrap Europe IV wandelte einen Teil eines bestehenden Wandelkredits über 12 Millionen Dollar in 22.847.044 neue Aktien um. Der Umtauschkurs lag bei 4,77 Kronen je Aktie und verwässerte die Altaktionäre um weitere 6,4 Prozent.
In Summe kamen Anleger so auf eine kombinierte Verwässerung von etwa 9,7 Prozent innerhalb weniger Tage. Am 16. Juli lief zudem eine Lock-up-Vereinbarung für Insider aus einer früheren Kapitalrunde aus. Das öffnet die Tür für weiteres Angebot am Markt – genau zu einem Zeitpunkt, an dem der Kurs bereits unter Druck steht.
Der Kurs spiegelt den Druck
Am Freitag schloss die Aktie bei 3,19 Euro, nach einem Tagesplus von 2,84 Prozent. Der kurzfristige Rebound ändert wenig am Gesamtbild: Auf Monatssicht steht ein Verlust von 64,77 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 10,23 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen die Aktie inzwischen fast 69 Prozent.
Der 14-Tage-RSI von 34,2 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 141,8 Prozent zeigt, wie nervös der Handel in der Aktie aktuell verläuft. Für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet gut 950 Millionen Euro ist das eine außergewöhnlich hohe Schwankungsbreite.
Blick auf den Quartalsbericht
Sivers positioniert sich als Anbieter von Hochpräzisionslasern und RF-Beamformer-Technologie für KI-Rechenzentren, Satellitenkommunikation, Verteidigung und Telekommunikation. Die Kapitalmaßnahmen der vergangenen Wochen sollen genau diese Wachstumsfelder finanzieren.
Das Unternehmen hat seinen Finanzkalender angepasst: Der Quartalsbericht für Q2 2026 verschiebt sich auf den 27. August 2026. Sivers begründet die Verschiebung mit dem Aufbau strengerer Reporting-Prozesse – auch mit Blick auf künftige PCAOB-Anforderungen im Rahmen eines angestrebten Dual-Listings in den USA. Bis dahin bleibt offen, ob sich der Verkaufsdruck aus den jüngsten Kapitalmaßnahmen weiter fortsetzt oder ob die Aktie nahe dem aktuellen Niveau eine Bodenbildung findet.
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