Sivers Semiconductors steht vor einer entscheidenden Woche. Am Montag erfolgt die Aufnahme in zwei wichtige Indizes, am 15. Juni stimmen Aktionäre über eine neue Führungsstruktur ab. Dazwischen liegt ein durchwachsener Quartalsbericht, der Umsatzrückgang und Rekordpipeline zugleich zeigt.
Indexaufnahme bringt technischen Kaufdruck
Ab Handelsbeginn am 1. Juni gehört Sivers Semiconductors zum OMX Stockholm Benchmark Index. MSCI hat das schwedische Unternehmen ebenfalls in seinen Sweden Small-Cap-Index aufgenommen, wirksam seit Handelsschluss am 29. Mai.
Indexfonds müssen ihre Portfolios anpassen. Das erzeugt kurzfristig Kaufdruck und höhere Handelsvolumina. Die Ausgangslage ist angespannt: Laut S&P Global Market Intelligence waren am 26. Mai rund 17 Prozent der frei handelbaren Aktien verliehen — Anfang März lag die Quote bei nur 1,6 Prozent.
Die hohe Leerverkaufsquote trifft auf passive Zuflüsse. Bärische Positionen könnten unter Druck geraten.
Am 29. Mai schloss die Aktie bei 68,95 SEK, minus 1,78 Prozent.
Umsatz sinkt, Pipeline auf Rekordhoch
Der Nettoumsatz im ersten Quartal 2026 betrug 61,9 Millionen SEK. Im Vorjahresquartal waren es noch 78,9 Millionen SEK — ein Rückgang um 22 Prozent. Das bereinigte EBITDA lag bei minus 13,8 Millionen SEK, eine Verschlechterung um 7,8 Millionen SEK.
Der US-Regierungsstillstand verzögerte Einnahmen aus dem Verteidigungsgeschäft. Zusätzlich belasteten Währungsschwankungen: Der US-Dollar verlor 14 Prozent, das britische Pfund 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Parallel dazu wuchs die Opportunity-Pipeline seit Jahresbeginn um 77 Prozent auf 799 Millionen Dollar. Das Unternehmen bereitet mehrere Produkthochläufe für 2027 vor. Dazu zählen Automotive-LiDAR, KI-Rechenzentrumlaser und SATCOM-Komponenten. Diese Bereiche sollen das Umsatzwachstum deutlich beschleunigen.
Hauptversammlung am 15. Juni: Vorstand und Optionsprogramm
Für die Hauptversammlung am 15. Juni schlägt Sivers einen umgebauten Aufsichtsrat vor. Dr. Bami Bastani bleibt Vorsitzender, Todd Thomson und Karin Raj kehren zurück. Neu hinzu kommen Joakim Nideborn als stellvertretender Vorsitzender — ehemaliger CFO börsennotierter Tech-Unternehmen mit Fokus auf nordische Investoren und Kunden — sowie Helena Svancar, die über zwei Jahrzehnte internationale Führungserfahrung mitbringt.
Aktionäre stimmen außerdem über ein neues Aktienoptionsprogramm ab. Es umfasst 7 Millionen Optionen und könnte bestehende Anteilseigner um rund 2 Prozent verwässern.
Der Terminkalender ist dicht: Indexaufnahme am 1. Juni, Hauptversammlung am 15. Juni, nächster Quartalsbericht am 6. August.
Dual Listing und angepasste Finanzzahlen
Sivers hat seine Konzernabschlüsse für 2024 und 2025 überarbeitet. Die Anpassungen orientieren sich an den Standards des US Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB). Hintergrund ist die Prüfung einer möglichen Zweitnotierung an der Nasdaq New York.
Zu den Anpassungen zählen Umsatzverschiebungen zwischen Berichtsperioden, überarbeitete Lagerbewertungen, aktualisierte Fair-Value-Annahmen für aktienbasierte Vergütungen und Abschreibungen auf zuvor aktivierte Entwicklungsausgaben.
Das Management hat die Vorbereitungen für ein Dual Listing weitgehend abgeschlossen. Zeitpunkt und Struktur hängen von den Marktbedingungen ab.
Verteidigungsaufträge und Produktfahrplan
Das Unternehmen hat seinen zweiten Jahresvertrag im Rahmen des US CHIPS Act für ein Electronic-Warfare-Programm gesichert. Das EW-STAR-Projekt entwickelt Breitband-Antennen-Arrays für gleichzeitiges Senden und Empfangen in elektronischer Kriegsführung, Kommunikation und Radar. BAE Systems, MIT Lincoln Lab und die Columbia University sind ebenfalls beteiligt.
Die Produktion von Automotive-LiDAR für einen großen Autohersteller soll im vierten Quartal 2026 starten. Im 5G/6G-Bereich hat Sivers die Daybreak-Beamforming-ICs für FR3-Anwendungen zur allgemeinen Verfügbarkeit freigegeben.
Großaktionär unter Restrukturierungsdruck
Ein separates Risiko betrifft einen Großaktionär. Achilles Capital, größter Einzelinvestor, ist mit DDM Finance verbunden. DDM ist mit seinen Anleihen in Zahlungsverzug geraten und befindet sich in Restrukturierung. Das Unternehmen plant, Kreditportfolios sowie Tech- und Life-Sciences-Beteiligungen im Wert von 30 bis 50 Millionen Euro zu verkaufen. Ob die Sivers-Beteiligung dazu gehört, ist offen.
Eine laufende Untersuchung der schwedischen Wirtschaftskriminalitätsbehörde schafft zusätzliche Unsicherheit. Die Ermittler prüfen, ob Insiderinformationen über Sivers‘ Nasdaq-Pläne vor der offiziellen Ankündigung im April durchgesickert sind.
Indexaufnahme, Hauptversammlung mit strategischen Weichenstellungen und Quartalsbericht im August — die kommenden Wochen gehören zu den folgenreichsten in der jüngeren Geschichte von Sivers Semiconductors.
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