Ein institutioneller Ansturm auf frisches Kapital, ein Aktienkurs im freien Fall. Bei Sivers Semiconductors klaffen Nachfrage und Marktstimmung derzeit so stark auseinander wie selten. Der schwedische Photonik- und Chiphersteller hat diese Woche eine Kapitalerhöhung über rund 700 Millionen schwedische Kronen abgeschlossen. Trotzdem verliert die Aktie weiter an Wert.
Am Donnerstag schloss das Papier bei 4,45 Euro. Binnen sieben Tagen hat die Aktie damit fast ein Viertel ihres Werts eingebüßt, auf Monatssicht sind es sogar knapp 47 Prozent. Aktuell notiert Sivers rund 27 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 6,11 Euro und weit entfernt vom Jahreshoch bei 10,23 Euro, erreicht erst am 3. Juni.
Überzeichnete Platzierung trotz Rabatt
Der Vorstand beschloss die Ausgabe von 12.280.701 neuen Stammaktien. Die Kapitalerhöhung basiert auf einer Ermächtigung der Hauptversammlung vom 15. Juni 2026. Der Zeichnungspreis lag rund 9,7 Prozent unter dem Schlusskurs vom 30. Juni.
Trotz des Abschlags war die Nachfrage groß. Das Unternehmen meldet eine mehrfache Überzeichnung. Sowohl schwedische als auch internationale institutionelle Investoren beteiligten sich, darunter neue und bestehende Aktionäre.
Für den Deal musste Sivers eine eigene frühere Zusage aufweichen. Im April hatte sich das Unternehmen gegenüber Pareto Securities verpflichtet, 180 Tage lang keine weiteren Aktien auszugeben. Pareto gewährte nun eine Ausnahme, damit die neue Platzierung stattfinden konnte. Im Gegenzug verpflichtet sich Sivers, für 120 Tage nach Abschluss der aktuellen Emission keine weiteren Aktien mehr auszugeben.
CEO verspricht stärkere Bilanz
CEO Vickram Vathulya verknüpft den Kapitalzufluss direkt mit den Wachstumsplänen des Unternehmens. Die Emission bestätige das anhaltende Interesse von Investoren an den Kernmärkten AI, Satellitenkommunikation und Verteidigung, so Vathulya. Sivers wolle das Geld nutzen, um antizipative Investitionen in die Fertigungskapazität für Indiumphosphid-Komponenten zu tätigen — nötig wegen langer Lieferzeiten bei Fertigungsanlagen.
Zusätzlich soll das Kapital die Präsenz im Vertrieb stärken und Entwicklungszyklen verkürzen. Ziel: mehr Aufträge aus der wachsenden Pipeline in echte Umsätze verwandeln. Auch mögliche Zukäufe schließt der CEO nicht aus.
Die Führungsriege bleibt derweil an Bord. Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vathulya und CFO Heine Thorsgaard haben sich verpflichtet, bis zum 16. Juli 2026 keine eigenen Aktien zu verkaufen.
Markt widerspricht institutioneller Nachfrage
Die Kursreaktion passt nicht zur Begeisterung der beteiligten Banken. Während die Platzierung hohe Nachfrage anzog, fiel die Aktie in derselben Woche deutlich. Händler machen dafür Verwässerungsängste und Verwirrung über die Ausnahmeregelung bei Pareto verantwortlich.
Die Aktienzahl ist durch die Emission spürbar gewachsen. Zum 30. Juni zählte Sivers insgesamt 319.953.572 ausstehende Stammaktien. Der 14-Tage-RSI liegt bei 35,1 — die Aktie nähert sich damit überverkauftem Terrain. Die annualisierte Volatilität von über 224 Prozent zeigt, wie unruhig der Handel geworden ist.
Analysthaus sieht gestärkte Bilanz
Das Analysehaus Redeye hob sein Kursziel für Sivers nach der Transaktion an und verwies dabei auf die gestärkte Bilanz durch die Kapitalerhöhung. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, ob das frische Kapital tatsächlich hilft, die wachsende Auftragspipeline in Umsatz umzuwandeln — oder ob weitere verwässernde Finanzierungsrunden die Stimmung belasten.
Der nächste Quartalsbericht dürfte erste Hinweise liefern, ob die Investitionsstrategie des CEOs bereits kommerzielle Wirkung zeigt.
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