Sivers Semiconductors Aktie: 700 Millionen Kronen frisches Kapital

Sivers Semiconductors sichert sich 700 Mio. Kronen frisches Kapital, der Aktienkurs fällt jedoch deutlich. Ein US-Listing ist für 2026/27 geplant.

Auf einen Blick:
  • Kapitalerhöhung mehrfach überzeichnet
  • Aktienkurs bricht um 58 Prozent ein
  • US-Börsengang für 2026/27 geplant
  • Schuldenumwandlung verwässert Aktionäre

Frisches Kapital, ein US-Listing in Aussicht – und trotzdem bricht der Kurs ein. Bei Sivers Semiconductors klafft gerade auseinander, was eigentlich zusammenpassen sollte. Der schwedische Photonik- und Funkchip-Hersteller hat sich gerade rund 700 Millionen Kronen frisches Kapital gesichert. Der Aktienkurs aber sackte am Montag auf 4,25 Euro ab und liegt damit 58,46 Prozent unter dem Jahreshoch vom 3. Juni.

Kapitalerhöhung trotz Rabatt mehrfach überzeichnet

Der Vorstand hat auf Basis der Ermächtigung der Hauptversammlung vom 15. Juni eine gezielte Aktienplatzierung beschlossen. Rund 12,3 Millionen neue Aktien kamen so zusammen. Pareto Securities wickelte die Platzierung per beschleunigtem Bookbuilding ab, abgeschlossen und bepreist am 1. Juli.

Der Ausgabepreis lag rund 9,7 Prozent unter dem Schlusskurs vom 30. Juni an der Nasdaq Stockholm. Trotz des Abschlags war das Angebot mehrfach überzeichnet. Sowohl neue als auch bestehende institutionelle Investoren aus Schweden und dem Ausland griffen zu.

CEO Vickram Vathulya wertet die Runde als mehr als reine Bilanzkosmetik. Sie belege das wachsende Investoreninteresse an den Fokusmärkten des Unternehmens – KI, Satellitenkommunikation und Verteidigung. Das frische Kapital soll zusätzliche Investitionen in die Fertigungskapazität für Indiumphosphid-Photonik ermöglichen und die Forschungszyklen beschleunigen.

US-Listing rückt näher, Zweifel bleiben

Parallel zur Kapitalerhöhung bekräftigte der CEO die Pläne für ein Listing in den USA. Der buchhalterische und rechtliche Aufwand für ein US-Listing sei erheblich, so Vathulya. Das Unternehmen arbeite aber weiter an allen nötigen Schritten und wolle den Prozess in den kommenden Quartalen abschließen.

Marktbeobachter lesen das als Bestätigung: Der lange diskutierte Nasdaq-New-York-Börsengang soll zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 Realität werden. Die Grundlage dafür legte Sivers bereits früher im Jahr, als das Unternehmen im Zuge der Prüfung eines möglichen Zweit-Listings begann, seine konsolidierten Abschlüsse für 2024 und 2025 an PCAOB-Standards anzupassen.

Ganz eindeutig ist die Lage trotzdem nicht. Sivers treibt das Zweit-Listing voran, während die Aktie rund die Hälfte ihres Juni-Hochs eingebüßt hat. Short-Seller-Vorwürfe und Zweifel von Wirtschaftsprüfern an der Fortführungsfähigkeit belasten den Kurs zusätzlich. Die Kapitalrestrukturierung selbst gilt als umstritten. Hinzu kommen mehrere laufende regulatorische Untersuchungen gegen das Unternehmen, deren Details bislang unklar bleiben.

Lock-ups sollen den Aktionärskreis stabilisieren

Führungskräfte und mehrere Vorstandsmitglieder bleiben an bestehende Haltefristen gebunden. Die Vorstandsmitglieder Bami Bastani, Karin Raj und Todd Thomson sowie CEO Vathulya und CFO Heine Thorsgaard dürfen bis zum 16. Juli 2026 keine Aktien verkaufen, von üblichen Ausnahmen abgesehen.

Diese Lock-ups stammen allerdings aus einer früheren gezielten Aktienausgabe vom 16. April 2026 – nicht aus der aktuellen Kapitalrunde. Da die alten Vereinbarungen weiterhin gelten, verzichtet Sivers auf neue Lock-up-Vereinbarungen im Zuge der jetzigen Emission.

Schuldenumwandlung verstärkt die Verwässerung

Nur wenige Tage vor Abschluss der Platzierung wandelte Sivers zusätzlich Schulden in Eigenkapital um. Der Kreditgeber Bootstrap Europe stimmte zu, eine Wandelanleihe über 12 Millionen Dollar in rund 23 Millionen neue Stammaktien umzuwandeln.

Das verwässert bestehende Aktionäre um etwa 6,4 Prozent. CFO Thorsgaard argumentiert dennoch, der Schritt stärke die Bilanz erheblich.

Kurscharts zeigen die Nervosität

Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen spiegelt die Spannung zwischen frischem Kapital, Verwässerung und Nasdaq-Ambitionen wider. Binnen sieben Handelstagen verlor die Aktie 27,29 Prozent, auf Monatssicht sind es 46,51 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 6,18 Euro – deutlich über dem aktuellen Kurs.

Der RSI von 36,7 zeigt anhaltenden Abwärtsdruck, ohne dass die Aktie technisch bereits überverkauft wäre. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 219,46 Prozent unterstreicht, wie stark die Kursausschläge derzeit ausfallen.

Kapitalerhöhung und Schuldenumwandlung sind nun abgeschlossen, die Lock-up-Fristen laufen bis zum 16. Juli. Die nächste geplante Finanzmitteilung steht für August an. Bis dahin bleibt offen, ob Sivers die wachsende Projektpipeline in Umsatz verwandeln kann, der das frische Kapital rechtfertigt – während Fragen zur Fortführungsfähigkeit und die laufenden regulatorischen Untersuchungen im Raum stehen.

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