Sivers Semiconductors Aktie: 7 Prozent Absturz auf 5,74 Euro

Juristische Ermittlungen und Leerverkäufer-Angriffe belasten Sivers. Der Nasdaq-IPO wurde verschoben, während das operative Geschäft wächst.

Auf einen Blick:
  • Aktie verliert über sieben Prozent
  • Ermittlungen in Schweden und USA
  • Nasdaq-Listing vorerst gestoppt
  • Operatives Wachstum trotz Krise

Starke Auftragsbücher, kollabierende Kurse. Bei Sivers Semiconductors prallen derzeit zwei Welten aufeinander. Der schwedische Chipentwickler kämpft mit juristischen Untersuchungen und einem massiven Leerverkäufer-Angriff. Die Börse reagiert gnadenlos. Die Aktie rutschte heute um über sieben Prozent auf 5,74 Euro ab. Damit notiert das Papier fast 44 Prozent unter dem Jahreshoch von Anfang Juni.

Ermittlungen auf zwei Kontinenten

Zwei parallele Untersuchungen belasten das Unternehmen schwer. In Schweden prüfen die Wirtschafts- und Finanzbehörden ein mögliches Informationsleck. Details zum geplanten US-Börsengang tauchten 48 Stunden vor der offiziellen Ankündigung im Netz auf. Auf der anderen Seite des Atlantiks bereiten US-Kanzleien eine Sammelklage vor. Sie werfen dem Management Anlegerbetrug vor.

Der juristische Druck folgt auf eine scharfe Leerverkäufer-Attacke. Anfang Juni veröffentlichte Ningi Research einen kritischen Bericht. Die Analysten behaupten, dass geplante Millionenumsätze auf fiktiven Produkten basieren. Sivers hat diese Vorwürfe bislang nicht öffentlich widerlegt. Das lockt weitere Spekulanten an. Die Leerverkaufsquote der Aktie explodierte seit dem Frühjahr auf 17 Prozent.

Nasdaq-Pläne auf Eis

Der geplante Sprung an die US-Technologiebörse Nasdaq stockt. Auf der Hauptversammlung zog der Vorstand die Abstimmung über das Listing überraschend zurück. Stattdessen genehmigten die Aktionäre neue Aktien. Das bedeutet eine mögliche Verwässerung von rund 15 Prozent. Ein neuer Zeitplan für das US-Debüt fehlt.

Die finanzielle Lage verschlechtert sich zusehends. Sivers musste seine Bilanzen für die vergangenen zwei Jahre an US-Standards anpassen. Das Unternehmen bewertete Bestände neu und schrieb Entwicklungskosten ab. Der Nettoverlust für 2025 stieg dadurch auf 222 Millionen schwedische Kronen. Das alarmierte die Wirtschaftsprüfer. Sie äußerten erhebliche Zweifel am Fortbestand des Unternehmens.

Operatives Geschäft wächst

Trotz des Chaos wächst die kommerzielle Pipeline. Sivers meldet hier einen Anstieg auf knapp 800 Millionen US-Dollar. Ab Ende 2026 startet zudem die Serienproduktion für eine LiDAR-Plattform eines Großkunden.

Das Projekt bringt über seine Laufzeit schätzungsweise bis zu 138 Millionen US-Dollar ein. Für ein Unternehmen mit aktuell rund 33 Millionen US-Dollar Jahresumsatz ist das ein massiver Sprung. Hinzu kommt eine neue strategische Partnerschaft. Sivers entwickelt gemeinsam mit GlobalFoundries optische Chips für den KI-Infrastrukturmarkt.

Die Diskrepanz zwischen operativen Chancen und juristischer Realität treibt die Volatilität auf extreme 225 Prozent. Der neu formierte Vorstand steht nun unter Zugzwang. Am 6. August präsentiert Sivers die Zahlen für das zweite Quartal. Das Management muss diesen Termin nutzen, um die Vorwürfe der Leerverkäufer mit konkreten Fakten zu entkräften.

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