Drei Tage vor Ablauf einer wichtigen Halte-Frist für Insider bricht die Aktie von Sivers Semiconductors erneut ein. Der schwedische Chiphersteller für Photonik und drahtlose Technologien verlor am Montag 8,80 Prozent und rutschte auf 3,88 Euro. Am Freitag hatte das Papier noch bei 4,25 Euro geschlossen.
Der Kurs hat sich damit in einem Monat mehr als halbiert. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von 53,72 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro am 3. Juni 2026 hat die Aktie über 62 Prozent ihres Wertes eingebüßt.
Der Ausverkauf trifft auf technische Erschöpfung
Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei 156 Prozent — ein Wert, der für extreme Nervosität im Handel steht. Der Relative-Stärke-Index von 37,2 zeigt: Ein klarer Boden ist noch nicht in Sicht. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 6,20 Euro, aktuell notiert die Aktie damit 37,51 Prozent darunter. Zum 100-Tage-Durchschnitt von 3,76 Euro ist der Abstand dagegen minimal.
Am 16. Juli 2026 läuft die Lock-up-Vereinbarung für das Management aus. Ab diesem Datum könnten Insider ihre Anteile erstmals seit längerer Zeit verkaufen. Genau in dieser Phase rutscht der Kurs weiter ab — eine Konstellation, die Marktbeobachter aufmerksam verfolgen.
Verspäteter Quartalsbericht sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Am 9. Juli hat Sivers seinen Berichtskalender verschoben. Das Unternehmen begründet den Schritt mit dem Ziel, die Finanzberichterstattung zu stärken und sich auf künftige US-Prüfstandards der PCAOB vorzubereiten. Diese Anforderungen hängen mit dem geplanten Doppel-Listing in den USA zusammen.
Der Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026 verschiebt sich nun auf den 27. August 2026. Der Bericht zum dritten Quartal folgt am 26. November 2026, der zum vierten Quartal am 25. Februar 2027. Investoren müssen damit deutlich länger auf frische Daten zur Kassenlage und zum Projektfortschritt warten als ursprünglich geplant.
Vorstand kauft eigene Aktien — der Markt reagiert trotzdem negativ
Kurz vor dem heutigen Kursrutsch hatte Sivers bestätigt, dass mehrere Vorstandsmitglieder Aktien gekauft haben. Bami Bastani, Karin Raj, Helena Svancar, Todd Thomson und Joakim Nideborn erwarben Anteile im Rahmen eines Programms, das die Hauptversammlung im Juni 2026 genehmigt hatte. Auch der CEO kaufte zusätzliche Aktien. Die Papiere unterliegen einer Haltefrist von mindestens zwölf Monaten.
Das Signal sollte eigentlich Vertrauen schaffen. Der Ausverkauf ging trotzdem ungebremst weiter.
Verwässerung durch Kapitalmaßnahmen belastet zusätzlich
Der Absturz seit dem Juni-Hoch fällt mit mehreren Kapitalmaßnahmen zusammen. Sivers hat in den vergangenen Wochen eine gezielte Aktienplatzierung durchgeführt und eine Wandelanleihe eines Kreditgebers in neue Aktien umgewandelt. Beide Schritte sollten die Bilanz vor dem geplanten US-Listing stärken.
Zusammen brachten die Transaktionen zig Millionen neue Aktien in den Umlauf. Das verwässert bestehende Anteile, senkt aber gleichzeitig die Schuldenlast. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 1,24 Milliarden Euro.
Bis zum 27. August fehlen operative Neuigkeiten, die den Kurs stützen könnten. In der Zwischenzeit dürfte sich die Aufmerksamkeit auf den 16. Juli richten — den Tag, an dem die Lock-up-Frist endet und sich zeigt, ob die Insider, die gerade erst zugekauft haben, ihre bestehenden Bestände nun doch abbauen.
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