Sivers Semiconductors schießt am heutigen Dienstag um mehr als 17 Prozent nach oben. Der Kurs des schwedischen Halbleiterherstellers klettert auf 3,40 Euro, nachdem er am Vortag noch bei 2,90 Euro geschlossen hatte. Auslöser ist keine unternehmenseigene Meldung, sondern eine politische Nachricht aus Washington mit weitreichenden Folgen für die gesamte Optik-Branche.
FCC bereitet Importverbot für chinesische Transceiver vor
Reuters berichtete unter Berufung auf mehrere Quellen, dass die Trump-Administration an einem Verbot für Importe neuer chinesischer optischer Transceiver für US-Rechenzentren arbeitet. Die US-Kommunikationsbehörde FCC erarbeitet demnach Regeln, um Einfuhren zu stoppen – mit dem erklärten Ziel, Datendiebstahl, Schadsoftware und Störungen in der amerikanischen KI-Infrastruktur zu verhindern. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr vorliegen, ist aber nicht endgültig beschlossen und könnte laut den Reuters-Quellen noch geändert oder ganz verworfen werden.
Im Zentrum der Maßnahme steht der chinesische Hersteller Zhongji Innolight, der laut Counterpoint Research rund 27 Prozent des globalen Marktes für Rechenzentrums-Transceiver hält und nach eigenen Angaben 90 Prozent seines Umsatzes außerhalb Chinas erzielt. Das Unternehmen wurde im Juni auf eine Liste des US-Verteidigungsministeriums gesetzt. China kündigte über seine Botschaft an, „alle notwendigen Maßnahmen“ zu ergreifen, sollten die US-Entscheidungen erheblichen Schaden verursachen.
Die Nachricht sorgte am Dienstag für kräftige Kursausschläge bei US-Wettbewerbern: Applied Optoelectronics legte im vorbörslichen Handel bis zu 20 Prozent zu, Coherent bis zu 18 Prozent, Lumentum bis zu 14 Prozent und Corning rund 8 Prozent. Auch Sivers Semiconductors wurde von der Bewegung mitgezogen, obwohl das Unternehmen in den Berichten nicht als direkt betroffener Auftragsprofiteur genannt wird – die Aktie gilt in der optischen Komponentenbranche als kleinerer europäischer Player, der von der allgemeinen Sektor-Euphorie erfasst wurde. Analysten verweisen darauf, dass US-Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft, Google und Meta im Fall eines Verbots auf alternative Lieferanten umschwenken müssten, was kurzfristig höhere Kosten für den Ausbau von Rechenzentren bedeuten könnte.
Neuer Shortseller mitten in der Rally
Der Kurssprung fällt in eine Woche, in der auch die skeptische Seite des Marktes aktiv wird. Die US-Investmentgesellschaft D. E. Shaw hat ihre Short-Position in Sivers Semiconductors auf 0,59 Prozent des Aktienkapitals ausgebaut, was 2.094.980 Aktien entspricht, und ist damit als neuer öffentlicher Leerverkäufer aufgetaucht. Die schwedische Finanzaufsicht Finansinspektionen verlangt eine Meldung ab 0,1 Prozent Kapitalanteil, veröffentlicht werden Positionen erst ab 0,5 Prozent. Insgesamt liegt die Short-Quote bei Sivers derzeit bei 2,57 Prozent des Kapitals, weitere öffentlich gemeldete Leerverkäufer gibt es nach aktuellem Stand nicht.
Der heutige Sprung ändert wenig am Bild der vergangenen Monate. Die Aktie notiert weiterhin rund 67 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 10,23 Euro, das im Juni erreicht wurde. Die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri berichtete, dass das Papier seit seinem Höchststand im Juni bereits mehr als 70 Prozent verloren hatte – viele Privatanleger seien während des Hypes eingestiegen, während der hauseigene Analyst frühzeitig zum Verkauf geraten habe.
Die extreme Schwankungsbreite bleibt damit das prägende Merkmal des Titels: Binnen 30 Tagen verlor die Aktie knapp 19 Prozent, binnen sieben Tagen gewann sie gut 31 Prozent hinzu. Für Anleger bedeutet das heutige Kursplus damit weniger eine fundamentale Trendwende als vielmehr eine weitere Episode in einem außergewöhnlich volatilen Kursverlauf, der von externen Branchenimpulsen und einer zunehmend zweigeteilten Investorenbasis aus Privatanlegern und institutionellen Shortsellern geprägt wird.
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